Wirtschaft : Kampfansage auf dem Automarkt

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Von Henrik Mortsiefer

Das Wettbewerbsrecht liest sich mitunter wie ein Schlachtplan: Von „Kampfpreiswerbung in Vernichtungsabsicht“ ist die Rede, wenn sich Unternehmen mit Dumpingpreisen gegenseitig aus dem Markt zu drängen versuchen. Solch ruinöser Wettbewerb ist in Deutschland verboten und wird bestraft, weil alle gleiche Chancen im Wettlauf um den Kunden haben sollen. Das weiß auch Deutschlands größter Versandhändler, der am Montag Autos zu einem echten Kampfpreis auf den Markt brachte: 50 SmartCabrios für je 1990 Euro. So billig waren Autos noch nie. Kommt es jetzt zum Aufstand der Smart-Händler und des Kfz-Gewerbes?

Die gelassene Reaktion von Daimler-Chrysler mag angesichts der Quelle-Aktion noch gerechtfertigt sein. Sollte jedoch das Beispiel des Versandhändlers, der (noch) nicht in den Autohandel einsteigen will und von einem Gewinnspiel spricht, Schule machen, könnte es mit der Ruhe vorbei sein. Was, wenn Quelle bald nicht 50, sondern 5000 Smarts oder andere Marken in „Sonderaktionen“ anbietet? Der Autohandel muss sich darauf einstellen, dass er Konkurrenz aus ungewohnter Ecke bekommt – von Lebensmitteldiscountern, Versandhändlern und anderen, die die Dumpingverkäufe zu Werbezwecken nutzen. Ein echter Wettbewerb wird daraus aber nicht werden. Autokäufer sind konservativ. Sie schätzen Service, Garantieleistungen und Finanzierung „ihres“ Autoherstellers und beweisen erstaunliche Markentreue. Aber sie sind auch preisbewusst. Gekauft wird bei dem Händler, der den besten Preis macht. Quelle hat hier ein eindeutiges Signal gegeben: Es geht immer noch billiger – jedenfalls dann, wenn man wie das Versandhaus nicht sein Geld damit verdienen muss.

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