Wirtschaft : Kamps AG: Die Aktionäre sollten noch abwarten

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Unternehmenschef Kamps ist sich mit den Schutzgemeinschaften der Kleinaktionäre einig: Das Angebot von Guido Barilla, die Kamps-Aktien für 12,50 Euro pro Anteilsschein zu übernehmen, sei "fair". Kamps schätzt, dass die meisten Aktionäre auf das Angebot eingehen werden. Die Banken und Versicherungen, die die Mehrheit der Kamps-Aktien halten, seien zu einem Verkauf bereit. Das sei nicht verwunderlich, sagt Carsten Heise von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), denn die meisten institutionellen Anleger hätten ihre Aktien vergangenen Herbst zu einem extrem niedrigen Kurs gekauft. Auch Kamps selbst will seine Anteile, die 5,5 Prozent des gesamten Aktienvolumens ausmachen, verkaufen.

Der Anteil der Einzel-und Kleinaktionäre beläuft sich auf unter zehn Prozent. Axel Zühlke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Carsten Heise von der DSW rät abzuwarten, bis Mitte Mai die Angebotsunterlage vorliegt. Darin muss Barilla darlegen, wie die Zukunft des Unternehmens aussehen soll und ob es weiter an der Börse notiert sein wird. Dieses Dokument schätzt Heise als "sehr verlässlich" ein. Nur unter der Voraussetzung, dass Kamps an der Börse bleibt, hätten die Kleinaktionäre überhaupt die Möglichkeit, das Barilla-Angebot abzulehnen. Während Kamps zuversichtlich ist, was die Börsen-Zukunft seines Unternehmens angeht, halte sich Barilla bedeckt, sagt Heise.

Wenn die Angebotsunterlage vorliegt, bleibt den Aktionären mindestens vier Wochen Zeit, sich zu entscheiden. Zeichnet sich ab, dass Barilla nicht die Mehrheit der Aktien bekommt, kann das Unternehmen die Frist nochmals um zwei Wochen verlängern und das Angebot erhöhen. Das Übernahmegesetz schreibt vor, dass in diesem Fall die Aktionäre, die die niedrigere Offerte angenommen haben, einen Nachschlag bekommen.

Sollte Barilla nicht mehr als 60 Prozent der Aktien bekommen, also 40 Prozent Streuaktien verbleiben, könnte es sich für einen Kleinaktionär durchaus lohnen, nicht zu verkaufen, sagt Heise. "Die strategische Zusammenarbeit von Kamps und Barilla ist äußerst sinnvoll und könnte den Wert der Kamps-Aktie längerfristig wieder in die Höhe treiben." Barilla betonte auf der Hauptversammlung, man wolle zunächst 50 Prozent der Kamps-Anteile erwerben. "Aber das kann auch auf 100 Prozent steigen." Wenn Barilla 95 Prozent halte, kann er die "Squeeze-Out-Strategie" anwenden und die restlichen Aktionäre zwangsweise herausdrängen.

Grundsätzlich sei es schwierig, eine Empfehlung abzugeben, so Heise. Ob ein Aktionär entsetzt oder erfreut ist über die 12,50 Euro, hänge von dem Kurs ab, bei dem er eingestiegen sei. "Mich bringt keiner dazu, meine 350 Aktien zu verkaufen", sagte ein Kleinaktionär auf der Hauptversammlung, "ich habe vor einem Jahr 13,50 Euro pro Aktie bezahlt."

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