Wirtschaft : Kamps AG: Heiner Kamps: Chef ohne Allüren

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Eines ist klar: Selbst wenn Heiner Kamps sein Backimperium verkauft, wird er sich nicht zur Ruhe setzen. Vielleicht wird er für Barilla arbeiten. Oder ein neues Unternehmen aufbauen. Denn der 46-Jährige ist an harte Arbeit gewöhnt. Vielleicht, weil er es nicht anders kennt. Schon als Kind hat er für die väterliche Bäckerei im westfälischen Bocholt Brötchen ausgeteilt, bevor er in die Schule ging.

Der als "bodenständig" und "hartnäckig" geltende Kamps hat in wenigen Jahren den größten europäischen Bäckereikonzern aufgebaut. Dennoch merkt man ihm den Unternehmenschef nicht an. Der Mann hat etwas von einem gutmütigen Bären an sich - in letzter Zeit allerdings von einem gekränkten Bären. Wenn er vor Journalisten auftrat, dann äußerte er sich mit verschlossener Miene und verärgert über deren angeblich negative Berichterstattung. Seine Verdienste sollten mehr anerkannt werden, die vielen Steuern, die das Unternehmen zahlt, und die 15 000 Mitarbeiter, die er beschäftigt, meint der Großbäcker.

Geschafft hat Kamps tatsächlich einiges: Als er mit 26 Jahren die erste eigene Bäckerei aufmachte, musste sich der Jungunternehmer das Geld für den Backofen von einem Freund leihen. Rasch expandierte er. Als er sein Geschäft auf 20 Filialen ausgedehnt hatte, verkaufte er es an den US-Lebensmittelkonzern Borden und wurde deren Deutschland-Chef. Als Borden 1996 selbst übernommen wurde, kaufte Kamps seinen alten Laden zurück. Zwei Jahre später ging er an die Börse. Anders als mancher Unternehmenschef kennt Kamps seine Produkte genau. Der frühere Wasserball-Profi kann mitdiskutieren, wenn es um den Malzanteil in seinen Broten geht: "Ich kenne das Backgeschäft von der Pieke auf", sagt der Bäckermeister, der später auch Betriebswirtschaft studierte.

Dabei wollte Kamps ursprünglich eigentlich alles, "bloß nicht Bäcker" werden. Weil denen - wegen des frühen Aufstehens - immer die Freundinnen wegliefen. Zu Recht: Auch die Ehe des zweifachen Vaters ist vor zwei Jahren zerbrochen.

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