Wirtschaft : Kamps: Nur keine Verschnaufpause einlegen

Vanessa Liertz

Wenn Großbäcker Heiner Kamps auf den Kurs seiner Aktie angesprochen wird, dann verdüstert sich seine Miene. Selbst bei der Besichtigung eines Kamps-Werks im niederrheinischen Schwalmtal mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement in diesen Tagen. Denn seit Monaten dümpelt das Papier unter 20 Euro herum. Anfang des Jahres waren es noch über 46 Euro. Das Image des Backriesen hat gelitten, seit Analysten seinen aggressiven Wachstumskurs nicht mehr bejubeln, sondern kritisieren. Aber der Mann, der vom Bäckerjungen zum Milliardär wurde, macht munter weiter. Den 2001 geplanten Umsatz von rund vier Milliarden Mark will er binnen drei bis vier Jahren verdoppeln.

Zuletzt kaufte der Düsseldorfer den italienischen Backwarenhersteller Morato Pane für elf Millionen Euro. Davor gründete er ein Joint Venture mit der Firma Roncadin in Italien, über die Kamps ein Netz von mehreren hundert Filialen aufzubauen gedenkt. Wie Kamps angekündigt hatte, stehen damit heute kleinere Zukäufe und Joint Ventures auf dem Expansionsprogramm. Dennoch fürchten Analysten, dass sich der Großbäcker, der seinen Umsatz binnen drei Jahren mehr als verzehnfachte, ein bisschen viel vorgenommen hat. Sie halten den Schuldenstand für zu hoch, weil die Schuldzinsen ein Viertel des Gewinns vor Steuern und Zinsen übertreffen. Auch ist noch ungewiss, was aus der holländischen Bakerstreet wird, die eigentlich im September ihre ersten Shops an deutschen Tankstellen eröffnen wollte. Kamps bemerkt, dass Verhandlungen um große Projekte manchmal länger dauern können als geplant. Das ist möglich. Wer außerdem unter dem Druck der Börse steht und noch dazu ungeduldig ist, mag auch mal große Projekte ankündigen, deren genauer Zeitplan noch gar nicht abzusehen ist. Die Stimmung der Börse ist ohnehin nicht besonders gut.

Von den Ratschlägen der Analysten, doch mal eine Verschnaufpause einzulegen, hält der dynamische 45jährige jedenfalls nichts. Doch ist er um seinen Ruf besorgt. Da kommt so eine Clement-Visite gerade recht. Wie immer gelingt es dem Düsseldorfer, sich als Vollblutunternehmer zu präsentieren, der im Grunde seines Herzens ein solider Bäckerjunge geblieben ist. Und der Mann beweist einmal mehr, dass er sich verkaufen kann. Strahlend präsentiert er sich inmitten von Teigschüsseln und Brotbergen zusammen mit dem Ministerpräsidenten vor den Kameras. Zum Abschluss formen der Unternehmer und der Politiker gemeinsam im Blitzgewitter der Fotografen noch ein paar Brötchen - und fertig sind jede Menge einprägsame Fotos. Die Börsianer hat Kamps damit zwar nicht beeindruckt, aber auf jeden Fall den Ministerpräsidenten. Und der sorgt zwar nicht für Kapital, wohl aber für die Rahmenbedingungen.

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