Wirtschaft : Kamps will Fischbrötchen backen

Ex-Großbäcker interessiert sich für Restaurantkette Nordsee/Konkurrenz durch Investmentgesellschaften

Frank Bremser,Daniel Schmelzer

Berlin - Heiner Kamps, Ex-Inhaber der gleichnamigen Bäckereikette, soll Interesse an einem Kauf der Fischrestaurantkette Nordsee haben. In Finanzkreisen hieß es, den Kauf wolle er über die Ende März gegründete Kamps Food Retail Holding abwickeln, an der er 65 Prozent hält. Der Einstieg bei Nordsee soll dabei die erste große Investition im Nahrungsmittelsektor sein. Kamps ist bereits zu einem geringen Prozentsatz an der Nordsee beteiligt und sitzt im Aufsichtsrat des Unternehmens. Nach Informationen des Handelsblatt erwägt Kamps die Restaurantkette zu einem späteren Zeitpunkt an die Börse zu bringen.

Schon Mitte 2001 hatte die Nordsee-Mutter, die Investmentgesellschaft Apax, den Börsengang der Restaurantkette geplant, die Pläne jedoch wegen des schlechten Marktumfeldes wieder zurückgezogen. Danach war das Unternehmen in schwieriges Fahrwasser geraten. Der Umsatz ging zurück. Seit November 2003 ist Hans Matthijsse, ein Ex-Center-Park-Manager, Chef von 6000 Mitarbeitern an 424 Standorten. 370 davon liegen in Deutschland, der Rest der Filialen in der Schweiz, Österreich, Slowenien und Tschechien. Matthijsse steigerte den Umsatz der 1896 gegründeten Nordsee auf 355 Millionen Euro. Er startete eine Imagekampagne für das Unternehmen, modernisierte das Design der Shops und begann eine Kooperation mit der Raststättenkette Tank & Rast. Die war ebenfalls eine Apax-Beteiligung. Von den Anteilen hat sich die Investmentgesellschaft jedoch mittlerweile wieder getrennt.

Der ehemalige Großbäcker Kamps ist jedoch nicht der einzige Interessent für die Fischrestaurants. Nach Informationen des Handelsblatt sind diverse US-Fonds an der Kette interessiert. Darunter ist auch der US-Fonds Texas Pacific Group (TPC), Besitzer der Kette Burger King. TPC ist unter anderem an dem Mobilfunk-Dienstleister Mobilcom beteiligt.

Kamps dürfte für ein hohes Gebot wohl auch das nötige Geld fehlen. Die 60 Millionen Euro, die er für seine Bäckereikette im Zuge einer „unfreundlichen Übernahme“ vom italienischen Nudelhersteller Barilla erhalten hatte, werden wohl nicht ausreichen. Barilla hatte damals die Chance genutzt, als der Backkonzern nach sinkenden Umsätzen und Gewinnen in Schwierigkeiten geraten war. Kamps wollte damals das Unternehmen von der Börse nehmen, das Geld für den Aktienrückkauf hatte er bereits zusammen. Barilla war jedoch schneller.

Kamps war seit seinem endgültigen Ausstieg aus dem Bäckereigeschäft schon mehrfach mit verschiedenen Großinvestitionen in Verbindung gebracht worden. So hatte der 49-Jährige für den Betreiber von Autobahnraststätten Tank & Rast mitgeboten, hatte jedoch gegen den britischen Finanzinvestor Terra Firma den Kürzeren gezogen, als sein Mitfinanzierer abgesprungen war.

Bisher liegt dem Nordsee-Besitzer Apax allerdings noch kein konkretes Kaufangebot vor. Auch Heiner Kamps äußert sich noch nicht zu seinen Plänen. Apax hatte ihre Nordsee-Anteile 1997 von Unilever gekauft. Obwohl Finanzinvestoren ihre Anteile üblicherweise nach spätestens fünf Jahren wieder verkaufen, befindet sich die Restaurantkette nach wie vor im Portfolio der Münchener. Zwischenzeitlich war auch der Lebensmittelkonzern Oetker als Käufer im Gespräch.

Nordsee hat als einziger Anbieter eine Mischung aus Fastfood, kompletten Mahlzeiten und Frischfisch im Angebot. Dennoch kann die Fisch-Kette im Ansehen jugendlicher Konsumenten nicht mit amerikanischen Fastfood-Anbietern konkurrieren. „Fisch kommt bei der Jugend nicht so gut an wie Fleischburger“, sagt Jürgen Kasper vom Bundesverband der Schnellgastronomie und Imbissbetriebe aus Köln. Seit vier Jahren warten die Schnellgastronomen auf steigende Umsätze. Auch in diesem Jahr erwarte er keine Verbesserung. Matthias Keller vom Fischinformationszentrum in Hamburg sieht für Qualitäts- und Fastfoodanbieter im Fischbereich deutliches Wachstumspotenzial. Fisch sei nach wie vor ein Nischenprodukt. mit HB

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