Wirtschaft : Kann man dem Management überhaupt noch glauben? (Kommentar)

Corinna Visser

Was ist los bei Herlitz? Seit Jahren warten die Aktionäre des Berliner Papierfabrikanten auf gute Nachrichten. Und immer wieder werden ihnen auch bessere Ergebnisse in Aussicht gestellt. Nur halten kann das Unternehmen seine Versprechungen bisher nicht. Auch für das laufende Jahr erwartet Herlitz nun Verluste im zweistelligen Millionenbereich. Kann man dem Management überhaupt noch glauben?

Enorme Probleme hatte Herlitz in den vergangenen Jahren mit Geschäften, die nicht zum Kernbereich eines Büroartikelherstellers gehören. 175 Millionen Mark Wertberichtigungen waren im Immobilienbereich nötig, das fehlgeschlagene Finanzengagement in Russland kostete 100 Millionen Mark. Das Russlanddesaster wurde 1997 in der Bilanz bereinigt, die Immobilientochter Falkenhöh konnte der Konzern im Sommer diesen Jahres verkaufen.

Doch sind damit alle Probleme gelöst? Oder hat Herlitz nicht auch im Stammgeschäft Entwicklungen falsch eingeschätzt? 1996 wurde das Kerngeschäft in die PBS AG ausgegliedert. Damit wollte Herlitz auf den erwarteten Preisdruck reagieren. Doch das Tempo des Preisverfalls hat man bei Herlitz kräftig unterschätzt, gab de Vries in diesem Sommer zu. Überraschend auch die aktuelle Aussage, dass man noch erheblichen Nachholbedarf im Bereich des EDV-Zubehörs habe. Hat Herlitz hier eine wichtige Entwicklung verschlafen? Jetzt will das Unternehmen lohnintensive Produktion verstärkt nach Osteuropa verlagern, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Hätte dieser - für Berlin schmerzliche Schritt - nicht schon früher getan werden müssen? Im kommenden Jahr - so das neuerliche Versprechen - werde Herlitz endlich schwarze Zahlen schreiben. Die Aktionäre, die ihr Geld in Herlitz gesteckt haben, sind gespannt.

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