Wirtschaft : Kann Zweckoptimismus die kränkelnde Hauptstadt-Wirtschaft wieder auf Trab bringen?

Alfons Frese

Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner macht einen guten Job. Als der Verantwortliche für Wirtschaftspolitik muss er trommeln, im Regen auf gut Wetter machen und von einer glänzenden Zukunft reden. Zweckoptimismus nennt man das wohl. Aber vielleicht hilft es ja der schwachen Hauptstadtwirtschaft, wenn der Senator das Ende der Schwächephase entdeckt haben will. Doch wo denn bloß? Etwa bei den Wachstumsraten, die Berlin noch immer als Schlusslicht unter den Bundesländern ausweisen? Oder im Handel, in der Bauwirtschaft und der Industrie - in diesen Bereichen sind seit der Wende einige hunderttausend Arbeitsplätze verschwunden. Branoner sieht das Positive in der Zukunft - wie immer im Berlin der Nachwendezeit, wo so viel unter dem Prinzip Hoffnung lief und so viel schief ging. Sehr schneller Abbau von Berlinförderung und Berlinhilfe; Innovations- und Exportschwäche der Betriebe; Zusammenbruch der Kombinate im Ostteil, abgelehnte Olympiawerbung, gescheiterte Länderfusion, unendliches Theater um den Großflughafen. Pleiten, Pech und Pannen - das waren die ersten zehn Jahre nach der Vereinigung. Gar nicht auszudenken, was ohne Hauptstadtbeschluss passiert wäre.

Nun sind die ersten zehn Jahre überstanden. Es kann nur besser werden, ruft Branoner aufmunternd den 260 000 Arbeitslosen zu. Und er hat Recht: In den Krisenbranchen kann nicht mehr allzuviel wegbrechen; Existenzgründer und Neuansiedlungen bringen Dynamik in die Stadt. Im Übrigen verzerrt der enge Blick auf die Statistik die Wirklichkeit: Die Region insgesamt betrachtet, insbesondere Berlin plus Speckgürtel, hat durchaus ordentliche Wachstumsraten. Und mit den Bonnern wandelt sich so langsam die Stimmung. In harten wirtschaftlichen Daten schlägt sich das nicht nieder. Noch nicht. Ab 2001, so die Wachstumsprognosen, wird Berlin die anderen Bundesländer abhängen. Prinzip Hoffnung?

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