Wirtschaft : Kannegiesser räumt zu hohe Einkommen bei Vorständen ein

dc/brb/HB

Gesamtmetallchef Martin Kannegiesser hat scharfe Kritik am Argument der IG Metall geübt, die Bosse hätten gewaltige Einkommenszuwächse gehabt, jetzt seien endlich die Arbeitnehmer dran. Die große Masse der Unternehmer und Führungskräfte sei über diese Aussage empört, weil sie das bei sich selbst überhaupt nicht nachvollziehen könne. "Dass es da unverständliche Größenordnungen gibt, in einem gewissen Sinne auch Missbrauch, ist klar", sagte Kannegiesser gegenüber dem Handelsblatt. Aber dies betreffe eine hauchdünne Führungsschicht, die von der IG Metall instrumentalisiert werde. "Das ist unter der Gürtellinie", so Kannegiesser. 92 Prozent der Mitgliedsfirmen von Gesamtmetall hätten unter 500 Beschäftigte. "Man muss sich nicht wundern, wenn viele Unternehmer immer mehr angewidert sind von dieser Art der kollektiven Lohnfindung, weil sie selbst kollektiv in Geiselhaft genommen werden". Die Verantwortung für diese Gehälter liege im Übrigen auch bei der IG Metall. "Wer als Gewerkschafter im Aufsichtsrat mitbestimmter Unternehmen sitzt und über diese kritisierten Gehälter mitentscheidet, der soll vorsichtig sein, wenn er mit Steinen wirft. Kannegiesser ließ erkennnen, dass ein längerer Arbeitskampf den Zusammenhalt im Arbeitgeberlager schwächen könnte. Die Nervosität nehme zu. "Noch ist die Geschlossenheit da, aber wenn die IG Metall überzieht, dann gibt es Risse, dann bricht sie irgendwann", sagte Kannegiesser. Einige Unternehmen würden dann Druck auf Gesamtmetall ausüben, sich mit der IG Metall zu einigen. Viele mittlere und kleinere Unternehmen dagegen würden mit ihren Belegschaften direkt eine Lohnvereinbarung treffen. "Je länger die Verbände nicht zu Rande kommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen sich selbst helfen". Der Gesamtmetallchef stellte den vom Streik betroffenen Unternehmen finanzielle Hilfe der Metallarbeitgeberverbände in Aussicht. Die notwendigen Beschlüsse seien bereits getroffen. Diese setzten nicht voraus, dass ein Betrieb zunächst zur Aussperrung greife.

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