Wirtschaft : Kanzler wirbt bei Putin um Hilfe für Dornier

Auch Stoiber will Rettung des Flugzeugbauers vorantreiben

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München (nad). Die Bundesregierung und Bayern wollen sich in Russland auf höchster politischer Ebene für den insolventen Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier einsetzen. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber kündigten an, bei dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine Kooperation beim Regionaljetprogramm 728 von Fairchild Dornier zu werben. Schröder werde in Kürze einen entsprechenden Brief absenden, hieß es am Mittwoch aus Regierungskreisen.

Stoiber will Putin persönlich anrufen. Ziel sei, möglichst schnell Klarheit darüber zu gewinnen, ob das Regionaljetprogramm mit russischen Investoren fortgeführt werden könne. Der Bund wolle zudem einen Beitrag zu einer Übergangsgesellschaft für die Mitarbeiter von Fairchild Dornier leisten, sagte ein Regierungssprecher.

Die Bundesregierung und das Land Bayern bemühen sich seit längerem darum, einen Investor für den Oberpfaffenhofener Flugzeugbauer zu finden, über den Anfang Juli das Insolvenzverfahren eröffnet worden war.

Nachdem die Luftfahrtkonzerne EADS, Bombardier und Alenia eine Übernahme abgelehnt hatten, gibt es noch Verhandlungen mit potenziellen russischen Investoren, darunter dem sibirischen Aluminiumhersteller Sibal. Dem Vernehmen nach würde Sibal das bayerische Traditionsunternehmen gerne komplett übernehmen. Nach den Worten von Dornier-Betriebsratschef Günter Pfeiffer gelten derzeit zwei Varianten als wahrscheinlich. „Entweder die russische Regierung befürwortet eine Übernahme von Fairchild Dornier durch Sibal oder sie entscheidet sich für ein eigenes Flugzeugprogramm, das Tupolew bauen würde." Im ersten Fall könnten die viel gelobten, fast fertig entwickelten 728er Jets von Fairchild Dornier doch noch in Betrieb gehen. Falls sich die russische Regierung für Tupolew entscheidet, ist Fairchild Dornier dagegen aus dem Rennen. Der russische Flugzeugbauer hatte bereits vor einigen Wochen klargestellt, kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit Fairchild Dornier zu haben. „Die Entscheidung muss so schnell wie möglich fallen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit", sagte Pfeiffer.

Falls sich bis Ende September kein Investor findet, droht dem Oberpfaffenhofener Unternehmen die Zerschlagung. Die Unternehmensteile, darunter das Programm für die kleineren 328er Jets, müssten dann einzeln verkauft werden. Ende September läuft auch der Sozialplan aus, an dem etwa 1500 Mitarbeiter des 728er Jetprogramms teilnehmen. Dieser könnte jedoch abgelöst werden von einer Transfergesellschaft, an der sich der Bund mit etwa 17 Millionen Euro – einem Drittel der Kosten – beteiligen will. Nach Angaben des Dornier-Betriebsrats könnte die Transfergesellschaft ab Oktober für sechs Monate rund 2000 Mitarbeiter beschäftigen. Sie hätten Anspruch auf bis zu 80 Prozent ihres letzten Gehalts und erhielten zusätzliche Schulungen.

Von den ehemals 3600 Dornier-Angestellten sind noch etwa 3100 geblieben, einige der hoch qualifizierten Fachkräfte wurden bereits von Luftfahrtkonzernen wie Bombardier und EADS abgeworben. EADS-Chef Philippe Camus hatte Ministerpräsident Stoiber gegenüber vor ein paar Tagen bekräftigt, er wolle mehrere hundert Dornier-Mitarbeiter übernehmen.

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