Wirtschaft : Kapital für die Dritte Welt - Zu wenig Exporterlöse

Martina Ohm

Zur Vorbereitung der zehnten Unctad-Konferenz im Februar in Bangkok kommen am Dienstag und Mittwoch Vertreter aus Politik und Wirtschaft in Berlin zusammen. Im Zentrum der zweitägigen Konferenz steht die wachsende Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen für die Entwicklungländer. Bekanntlich sind die Interessen der internationalen Geldgeber und die der Entwicklungsländer nicht in jedem Falle deckungsgleich. Hier will der Berliner Dialog vermitteln. Über 35 Repräsentanten aus Industrie- und Entwicklungsländern, internationaler Organisationen und aus der Privatwirtschaft haben sich zu dem Berliner Treff angemeldet. Auch der 62jährige Generalskretär der Unctad (United Nations Conference on Trade and Development), Rubens Ricupero, wird dabei sein, für den Handel die mit Abstand tauglichste Hilfe zur Selbsthilfe, das heißt zur eigenen Entwicklung, ist.

Nach dem Scheitern der jüngsten WTO-Konferenz von Seattle rückt die Arbeit der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung wieder etwas stärker in das öffentliche Interesse. Zum Zielkatalog der Unctad gehört die Förderung von Entwicklungsprozessen in Entwicklungsländern. Zu dem Zweck werden Analysen erarbeitet und Empfehlungen ausgesprochen - etwa zu Themen wie Handel, Investitionen, Finanzierungen, Unternehmertum und Technologie und Umwelt. Die Unctad-Konferenz, an der sich alle 188 Mitgliedsländer beteiligen, tritt alle vier Jahre zusammen. Die letzte Konferenz fand 1996 in Südafrika statt.

Wie die Unctad in ihrem letzten Weltinvestitionsreport vom September herausgestellt hat, erreichen die ausländischen Direktinvestitionen im Zuge der Globalisierung immer neue Rekordhöhen. So investierten international tätige Unternehmen im Jahr 1998 knapp 650 Milliarden US-Dollar im Ausland - was einem historischen Rekord und einem Zuwachs von 37 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht. Für das gerade zu Ende gegangene Jahr wird mit einem Betrag von über 700 Milliarden US-Dollar gerechnet. Diese Größenordnung entspricht in etwa auch dem Einnahmeverlust, den die Entwicklungsländer Jahr für Jahr erleiden, weil ihnen der Zugang zu den Märkten der Industrieländer in Teilen immer noch versperrt ist. Hohe Zölle, aber auch die hohen Agrarsubventionen in den Industriestaaten beeinträchtigten den freien Warenaustausch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Dadurch geraten nach Einschätzung der Unctad die Entwicklungsländer in immer größere Abhängigkeit von ausländischem Kapital. Weil aber privates Kapital eigenen Regeln gehorche und sich meist auf wenige ausgewählte Länder konzentriere, wären immer mehr Staaten der Dritten Welt von internationalen Geldströmen abgeschnitten oder blieben finanzieller Risiken ausgesetzt. Obwohl das Interesse ausländischer Investoren, wie Statistiken der Unctad belegen, an den ärmeren Ländern sinkt, sind die Direktinvestitionen mittlerweile die größte Quelle ausländischen Kapitals für diese Staaten - weit vor der Entwicklungshilfe und Krediten.

Immer wieder, so auch in ihrem jüngsten Handels- und Entwicklungsbericht, verweisen die Fachleute der Unctad darauf, dass die globale Liberalisierung der Märkte nach ihren Erkenntnissen bisher in erster Linie den Industriestaaten zugute gekommen sei, in weiten Teilen der Dritten Welt hingegen eine regelrechte Entwicklungskrise ausgelöst habe. Zwar hätten die Entwicklungsländer im Zuge der Liberalisierung mehr importiert; ihre Exporte fänden aber bis heute keine entsprechend Anklang. Für notwendige Importe fehle mithin die Finanzierungsgrundlage.

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