Wirtschaft : Kapital nach der Katastrophe Die Banken bleiben von dem Erdbeben unberührt

Aussicht positiv. Experten sind zuversichtlich, dass die Folgen für Großbanken wie Mizuho überschaubar bleiben. Foto: Reuters Foto: REUTERS
Aussicht positiv. Experten sind zuversichtlich, dass die Folgen für Großbanken wie Mizuho überschaubar bleiben. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Düsseldorf - Die krisengeschüttelte Bankenbranche scheint von der Katastrophe in Japan weniger belastet zu sein als andere Wirtschaftszweige – obwohl die deutschen Finanzinstitute mehr Geld an Japan verliehen haben als an Griechenland. Während sich die Aussichten für die Versicherer nach dem Erdbeben deutlich eingetrübt haben, waren Bankwerte am Montag an der Börse sogar äußerst gefragt. Zwar gehen die Analysten davon aus, dass sich die Kreditausfälle in den von dem Tsunami betroffenen Regionen deutlich erhöhen werden. Die Aussicht auf zusätzliche Kapitalspritzen im japanischen Finanzsystem aber kam den Banken zugute.

Kurzfristig dürften Großbanken wie die Deutsche Bank sowie die schweizerischen Institute Credit Suisse und UBS unter einer Abkühlung des Devisenhandels leiden, da sich das Geschäft im Finanzzentrum Tokio in den nächsten Wochen verlangsamen werde, meint Analyst Michael Rohr vom Silvia Quandt Research in Frankfurt. Ferner könnte es in den kommenden Monaten zu einer erhöhten Risikovorsorge für große Unternehmenskredite in Japan kommen. Langfristig sind die meisten Experten aber zuversichtlich, dass sich die Kreditnachfrage in Japan erholen wird. Die japanische Notenbank werde das auch mit einer lockeren Geldpolitik erleichtern.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank könnten laut Rohr in den kommenden zwölf Monaten auch davon profitieren, dass sie in der Unternehmensfinanzierung Marktanteile gewinnen. Anders als die japanischen Wettbewerber hätten sie kaum mit Kreditausfällen in der Küstenregion zu kämpfen und könnten sich damit auf das Neugeschäft konzentrieren. „Der Wiederaufbau muss finanziert werden, dass birgt mittelfristig Chancen für alle Banken“, sagte Analyst Philipp Häßler von Equinet. Doch auch für die japanischen Großbanken wie Mizuho, Mitsubishi VFJ Financial Group und Sumitomo Mitsui Financial Group sind die Folgen offenbar überschaubar. Da sich die Kreditvergabe aber auf große Konzerne konzentriere, hielten sich die Folgen der Verwüstungen in den Bankbilanzen in Grenzen, erklärten die Analysten von Nomura am Montag. Sollte der Nikkei-Index allerdings unter die Marke von 9000 Punkten fallen, müssten einige Institute ihren Bestand wertberichtigen.

Bei den Regionalbanken könnten zerstörte Zweigstellen und Schäden an den IT-Systemen laut der Nomura-Analyse hohe Kosten verursachen, eine Pleitewelle bei Kleinunternehmern mit entsprechenden Abschreibungen bei den Banken werde jedoch wahrscheinlich durch staatliche Hilfsprogramme verhindert.

Von den deutschen Kreditinstituten unterhält die Deutsche Bank mit rund 1000 Mitarbeitern den größten Stützpunkt in Japan. Schwerpunkte sind das Investmentbanking und die Unternehmensfinanzierung. Nach Angaben eines Sprechers ist kein Beschäftigter durch das Erdbeben zu Schaden gekommen. Die öffentlich-rechtlichen Landesbanken haben sich aus Japan weitgehend zurückgezogen. Mit wie viel Geld die deutschen Banken in Japan engagiert sind, dazu gibt es derzeit keine detaillierten Informationen. Laut der jüngsten Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beliefen sich die Forderungen der Banken in Deutschland – inklusive der Töchter ausländischer Institute – gegenüber Japan auf 61,5 Milliarden Dollar. Bei dieser Rechnung werden alle Kredite gegenüber der japanischen Wirtschaft und dem Staat erfasst. Zum Vergleich: zum selben Stichtag Ende September 2010 lagen die Ausleihungen gegenüber Griechenland bei gut 40 Milliarden Dollar. HB

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