Kapitalanlagen : Versicherer werben mit hohen Zinsen – wie lange noch?

Lebensversicherungen bringen derzeit rund 4,2 Prozent. Doch für die Firmen wird es immer schwieriger, gute Anlagen zu finden.

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Magere Zinsen, intransparente Verträge, lange Laufzeiten – Verbraucherschützer wettern gerne gegen die Lebensversicherung. Doch die Deutschen halten an ihrer liebsten Altersvorsorge fest: Über 81 Milliarden Euro haben sie 2009 an Beiträgen in Lebensversicherungsverträge gesteckt. 95 Millionen Policen gibt es – und damit mehr Verträge als Einwohner.

Trotz aller Treue wollen die Kunden heute aber mehr als nur Sicherheit. Die traditionelle Kapitallebensversicherung, bei der man spart und bei Fälligkeit das Kapital verzinst ausgezahlt bekommt, verliert an Bedeutung. Stattdessen ziehen die Deutschen Rentenversicherungen vor, bei denen sie im Alter eine monatliche Rente von der Versicherungsgesellschaft erhalten. Für diese Variante sprechen die niedrigeren Steuern. Wer sich seine private Rentenversicherung erst mit 65 Jahren auszahlen lässt, muss nur 18 Prozent der Rente versteuern. Bei der Kapitallebensversicherung hängt die Steuerlast davon ab, wann der Vertrag geschlossen wurde. Bei Altverträgen ist der Ertrag unter bestimmten Bedingungen komplett steuerfrei, bei Verträgen, die ab dem 1. Januar 2005 geschlossen wurden, müssen die Anleger aber mindestens die Hälfte der Erträge versteuern.

Verkaufsknüller der Branche sind jedoch die fondsgebundenen Verträge. Dabei wird das Geld der Versicherten in Investmentfonds angelegt. Verglichen mit der Kapital- und der Rentenversicherung, die vor allem in festverzinsliche Wertpapiere investieren, ist diese Anlage deutlich riskanter. Dennoch greifen immer mehr Anleger zur Fondsvariante, weil sie sich höhere Gewinne versprechen. Susanne Meunier von der Stiftung Warentest kann das nicht verstehen: „Die Kosten sind hoch, die Fonds taugen oft nichts, und das ganze Angebot ist intransparent“, warnt die Verbraucherschützerin. Tatsächlich kann es den Sparern passieren, dass sie mit ihrer Fondsversicherung keinen Gewinn machen. Denn bei dieser Versicherungsvariante ist nur der Kapitalerhalt garantiert.

Das ist bei Kapitallebens- und Rentenversicherungen anders. Sie werfen zumindest den Garantiezins ab. Bei Altverträgen sind das bis zu vier Prozent, seit 2007 beträgt der Mindestzins nur noch 2,25 Prozent. Nimmt man alle Verträge zusammen, müssen die Versicherer in diesem Jahr eine Garantieverzinsung von 3,4 Prozent schaffen. Das ist mit langlaufenden Bundesanleihen nicht mehr zu schaffen.

Außerdem ist es mit dem Garantiezins noch nicht getan. Die Unternehmen zahlen nämlich noch Überschussbeteiligungen, die von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich sind und sich von Jahr zu Jahr ändern. Die Gesamtverzinsung der Verträge liegt in diesem Jahr nach Informationen des Branchendienstes Map-Report bei durchschnittlich 4,2 Prozent.

Angesichts der niedrigen Zinsen, die Fest- und Tagesgeld derzeit abwerfen, werden Lebensversicherungen für Anleger wieder attraktiver. „Wir haben ein reges Neugeschäft“, sagt Eckhard Marten, Sprecher der Allianz Lebensversicherung. Weil die Inflation niedrig ist, bleiben von den vier bis fünf Prozent Zinsen der Versicherer unterm Strich drei bis vier übrig. „Das ist kein schlechter Wert“, meint Marten. Verbraucherschützer stellen diese Rechnung jedoch in Zweifel. Denn nicht die gesamte Prämie wird verzinst, sondern nur der Sparanteil. Der bleibt übrig, nachdem die Kosten für den Vertreter und die Verwaltung des Vertrages abgezogen sind. Auch der Todesfallschutz muss vorab von dem Beitrag des Kunden bezahlt werden. Nur der Rest der Prämie wird angelegt und verzinst.

Die Krise haben die Versicherer bislang ohne größere Blessuren überstanden. Kein Unternehmen hat Insolvenz angemeldet, die Gesamtverzinsung ist weitgehend stabil geblieben. Damit das so bleibt, will die Regierung der Branche entgegenkommen. Sie sollen leichter steuerfreie Rückstellungen bilden können. Das soll verhindern, dass die Reserven schmelzen, wenn die Niedrigzinsphase andauert. „Die Kunden würden profitieren, weil so große Ausschläge bei den Überschussbeteiligungen vermieden werden können“, heißt es beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Dennoch dürften auch die Versicherten leiden, wenn das Zinstief anhält. Zumindest Neueinsteiger: Für 2012 ist eine Senkung des Garantiezinses sehr wahrscheinlich.

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