Kapitalgeber Bonanzinga : "Deutschland ist nicht groß genug"

Roberto Bonanzinga ist Italiener, lebt in San Francisco und ist Partner bei Balderton in London. Mit dem Tagesspiegel spricht der Kapitalgeber über Talente und Ambitionen.

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Roberto Bonanzinga
Roberto BonanzingaFoto: promo

Herr Bonanzinga, wie oft sind Sie in Berlin?

Ich komme einmal im Monat in die Stadt. Wir sind ja seit zweieinhalb Jahren bei Wooga engagiert. Aber wenn Sie bedenken, dass wir ein Unternehmen mit Sitz in London sind, das global investiert, dann ist das schon ein starkes Bekenntnis. Viel Zeit verbringe ich damit, nach vielversprechenden neuen Firmen Ausschau zu halten.

Im Moment wird Berlin gefeiert als die boomende Start-up-Metropole Europas. Wie viel Substanz ist dahinter?

Das ist zu diesem Zeitpunkt schwer zu sagen. Aber wir beobachten, dass ein Ökosystem entsteht, das viel stärker ist, als je zuvor. Ob die vielen Aktivitäten auch zum Erfolg führen, ist offen. Ich glaube, dass es hier noch viele Unternehmen mit dem Potenzial von Wooga gibt.

Was sind die Erfolgsfaktoren von Berlin?

Es gibt eine ganze Reihe. Berlin ist die kreative Hauptstadt Europas – denken sie zum Beispiel an elektronische Musik oder zeitgenössische Kunst. Unternehmertum ist nichts anderes als Kreativität angewendet in der Geschäftswelt. Kreative Menschen aus der ganzen Welt strömen geradezu hierher. Und das tun sie auch, weil Berlin eine sehr erschwingliche Stadt ist. Sie können hier leben und arbeiten, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Für ein Start-up ist das natürlich enorm wichtig.

Aber der wichtigste Punkt ist sicherlich, dass sie in der Stadt so viele Talente aus ganz verschiedenen Bereichen finden.

Talent ist gut und schön, aber bisher kommen die großen Internetfirmen wie Google, Facebook oder Twitter alle aus den USA.

Es gibt einige großartige Beispiele, wo das nicht so ist, Skype ist so eines. Sie dürfen aber nicht vergessen, dass sich im Silicon Valley in den vergangenen 20 Jahren ein wirklich einzigartiges Ökosystem entwickelt hat.

Silicon Valley hat sich dabei mindestens dreimal neu erfunden: Erst ging es um Halbleiter, daher der Name, dann um Software und nun um das Internet. Es gibt dort ein dichtes Netz von Unternehmern, Investoren, Firmen und guten Hochschulen. Europa ist da sicher noch viel weniger entwickelt – dafür aber umso vielversprechender.

Woher wird dann das nächste Facebook kommen?

Ich persönlich wette, dass es Europa sein wird, und Berlin wird da eine wichtige Rolle spielen. Das Problem ist, dass viele deutsche Gründer zu sehr auf Deutschland fokussiert sind. Der Markt ist zwar groß, aber nicht groß genug. Wir brauchen hier mehr Talente, die globale Ambitionen haben.

Das Interview führte Corinna Visser

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