• Kapitalmarktrenditen: Firmenanleihen mit gutem Rating sind gefragt - Bonds von Telekom-Unternehmen holen auf

Wirtschaft : Kapitalmarktrenditen: Firmenanleihen mit gutem Rating sind gefragt - Bonds von Telekom-Unternehmen holen auf

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Die Zeichen stehen wieder gut für Anleihen - besonders für Unternehmens-Bonds. Die Rendite für die marktbestimmende zehnjährige Bundesanleihe ist in 17 Monaten um fast die Hälfte auf aktuell gut 5,3 Prozent geklettert. Anleiheexperten erwarten zumeist allenfalls noch einen Anstieg auf 5,5 Prozent bis Ende 2000, bevor sich die Renditen um fünf Prozent stabilisieren werden. Grund: In Euroland hat die Erholung der Wirtschaft die Zinsen hochgezogen. Eine weitere deutliche Verteuerung des Kapitals halten viele nun für unwahrscheinlich. In den USA dürfte sich spätestens im Herbst die Konjunktur abkühlen, so dass die Kapitalmarktrenditen auch dort kaum noch zulegen dürften.

Wegen der minimalen Renditeunterschiede lohnt es bei Staatsanleihen und Pfandbriefen aktuell kaum, sich länger als fünf Jahre festzulegen. Bei Firmenbonds sind die Renditestrukturkurven etwas steiler: So bringt ein fünf Jahre laufender Firmenbond mit A-Rating aktuell 6,1 Prozent Rendite, in zehn Jahren immerhin 6,65 Prozent. Unternehmensanleihen bieten bis zu einem Fünftel mehr Ertrag als Staatsanleihen. Weil die Firmenrisiken für private Anleger aber schwer überschaubar sind, empfehlen manche Banken wie die Commerzbank eher Pfandbriefe oder Investmentfonds. Mit hochqualitativen Pfandbriefen ließen sich bei mittleren Laufzeiten immerhin 0,5 Prozentpunkte mehr als mit Staatstiteln verdienen, sagt Eberhard Haug von der Commerzbank.

Andere raten privaten Anlegern zu Firmenbonds, die mit Investmentgrade (bis BBB+) geratet sind. Dabei sei "langweilig am besten", sagt Maren Kuhlmann von der Deutschen Bank: Das sind für sie solide ruhige Firmen ohne Übernahmefantasie. Dazu zählt Kuhlmann Linde oder Heidelberger Zement, deren Anleihen mit sieben Jahren Laufzeit aktuell Renditen von 6,3 und 6,4 Prozent einbringen. Ähnlich solide schätzt Haug den mit 1,25 Milliarden Euro Volumen liquiden BASF-Bond über fünf Jahre ein. Auch für Wolfgang Templin von der DG Bank ist ein Volumen von mindestens einer Milliarde Euro ein Anlagekriterium, damit die Bonds jederzeit verkauft werden können. Seine Lieblingsbranche ist die Telekommunikation: Wegen Spekulationen über den Kapitalbedarf für den Kauf der UMTS-Lizenzen gaben die Kurse von Telekom-Anleihen stark nach. Doch deute die niederländische UMTS-Auktion - nur sechs Bewerber für fünf Lizenzen - darauf hin, dass weniger Kapital für die Lizenzen aufgewendet werden müsse. Damit seien die Kurse der TelekomBonds zuvor übertrieben abgerutscht, haben inzwischen aber wieder etwas aufgeholt.

Zu Templins Favoriten zählen die italienische Tecnost, die niederländische KPN und Deutsche Telekom, die ihren Mega-Bond Ende Juni klug früh gebracht habe und Investoren faire Erträge zahle. Zusätzliche Kursfantasie entstehe, weil Italiens Mobilfunkanbieter TIM einen internationalen Kooperationspartner für UMTS suchen könnte, um Lücken zu schließen. Dafür kämen seiner Ansicht nach KPN oder Deutsche Telekom in Frage. Templins Geheimtipp: Der nicht geratete Anbieter der "Gelben Seiten" in Italien, Seat-Pagine Gialle, der eine extrem gute Umsatzrendite aufweise und ein Fusionskandidat für Tecnost wäre.

Mit Vorsicht betrachtet dagegen Jerry Rawcliffe von Dresdner Kleinwort Benson die Telekommunikation. Weitere Deregulierung, Konsolidierung und Unwägbarkeiten wegen der UMTS-Lizenzen machten gerade große Anbieter wie Deutsche Telekom zu Kandidaten für Herabstufungen des Ratings. Ihn reizten allenfalls kleinere Übernahmekandidaten wie Polens TPSA oder die gut positionierte Vodafone. Zu seinen Bond-Favoriten zählt er vom US-Gerichtsverfahren übertrieben abgestrafte Tabakfirmen wie B.A.T. Ferner gefallen ihm "gute defensive Firmen" wie Daimler-Chrysler.

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