• Kapitalspritze von Ford für Jaguar Verkauf der britischen Tochtermarke steht trotz roter Zahlen nicht auf der Tagesordnung

Wirtschaft : Kapitalspritze von Ford für Jaguar Verkauf der britischen Tochtermarke steht trotz roter Zahlen nicht auf der Tagesordnung

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Frankfurt am Main – Der angeschlagene US-Autokonzern Ford greift seiner defizitären Luxusmarke Jaguar erneut unter die Arme. Trotz massiver Probleme auf dem US-Heimatmarkt hilft der Mutterkonzern der klammen britischen Tochter mit einer Milliardensumme aus. Die Kapitalspritze in Höhe von 1,2 Milliarden Pfund (rund 1,75 Milliarden Euro) werde in Form von Vorzugsaktien gewährt, sagte Jaguar-Sprecher Don Hume.

Es ist das zweite Mal innerhalb von zwei Jahren, dass der weltweit drittgrößte Autobauer der von schwachen Verkaufszahlen gebeutelten Tochter Jaguar mit frischem Geld beispringen muss. Jaguar hatte bereits im vergangenen Jahr einen Vorsteuerverlust von rund 430 Millionen Pfund verbucht. Auch im laufenden Jahr wird das Unternehmen nach Aussagen von Jaguar-Managern tiefrote Zahlen schreiben. „Trotz anders lautender Gerüchte steht Ford zu Jaguar“, betonte Hume. Jaguar gehört gemeinsam mit Land Rover, Aston Martin und Volvo zur Premier Automotive Group (PAG), in der Ford seine Oberklassemarken gebündelt hat. Ex-PAG-Chef Mark Fields ist seit Oktober Fords neuer Nordamerika-Chef und gilt als Architekt der Konzernrestrukturierung.

Die Kapitalspritze dürfte Spekulationen, Ford könne Jaguar womöglich bald verkaufen, vorerst beenden. Europachef Lewis Booth hatte solche Pläne bereits vergangene Woche dementiert. Doch Jaguar bleibt eine der größten Baustellen des Konzerns in Europa. Seit der Übernahme der britischen Traditionsmarke im Jahr 1989 beschert sie dem US-Konzern hohe Verluste. Inklusive des Kaufpreises hat Ford mit der Tochter schätzungsweise mehr als sechs Milliarden Dollar verloren.

Um die Kosten zu senken, hat Jaguar im vergangenen Jahr in England 1150 Stellen abgebaut und die Produktion gedrosselt. Ford erwägt sogar den Verkauf des Jaguar-Stammwerks Browns Lane in Coventry, das es seit 1928 gibt. Das Ziel, 2007 die Gewinnschwelle zu erreichen, hat der Autobauer mit der Marke, deren Kühlerfigur eine zum Sprung ansetzende Wildkatze darstellt, inzwischen fallen gelassen.

Jaguar bereitet dem US-Konzern auch deshalb zunehmend Kopfschmerzen, weil Ford auch bei seiner Kernmarke mit erheblichen Absatzproblemen vor allem im Heimatmarkt USA zu kämpfen hat. Konzernchef Bill Ford sprach im Zusammenhang mit der anhaltenden Absatzkrise und den Rabattschlachten zuletzt von einer „dramatischen Situation“ und kündigte „wesentliche Werkschließungen“ an. Zum ersten Mal seit zwei Jahren war Ford im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht und hatte 284 Millionen Dollar Verlust eingefahren. Ford will seinen Sanierungsplan für Nordamerika am 23. Januar vorlegen. Nach Informationen aus Branchenkreisen sollen bei Ford ebenfalls wie beim Konkurrenten General Motors (GM) bis zu 30 000 Mitarbeiter in den USA, Kanada und Mexiko entlassen und in den kommenden fünf Jahren mehr als zehn Auto- und Teilefabriken geschlossen werden.

Einen wichtigen Beitrag zur Kostensenkung hat der Konzern bereits der US-Autogewerkschaft UAW abgerungen. Zwei Monate nachdem sich der große Rivale GM mit seiner Belegschaft auf eine deutliche Senkung der Gesundheitskosten geeinigt hatte, konnte auch Ford massive Einschnitte durchsetzen. Die US-Automobilgewerkschaft UAW billigte noch vor Weihnachten endgültig das neu geschnürte Gesundheitsvorsorgepaket. Mit dem Paket kann Ford rund 850 Millionen Dollar seiner jährlichen Gesundheitskosten von rund 3,5 Milliarden Dollar einsparen. Auch bei General Motors winkte die UAW den Plan zur Reduzierung der Gesundheitskosten durch.

Für die beiden amerikanischen Branchenführer war das laufende Jahr ein Krisenjahr mit Milliardenverlusten im heimischen Markt, schrumpfenden Verkaufs- und Marktanteilen, Kurseinbrüchen und Herabstufungen der Kreditwürdigkeit. Sie litten vor allem unter dem Verkaufseinbruch großer Geländewagen und Pickups, die wegen der stark gestiegenen Treibstoffpreise dramatische Absatzrückgänge hinnehmen mussten. hz/HB

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