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Karl-Thomas Neumann tritt zurück : Finanzchef rückt an die Opel-Spitze

Personalwechsel bei Opel: Karl-Thomas Neumann gibt sein Amt auf, der bisherige Finanzchef Michael Lohscheller soll ihm als Vorstandschef nachfolgen.

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Opel-Chef Karl-Thomas Neumann ist zurückgetreten.
Opel-Chef Karl-Thomas Neumann ist zurückgetreten.Foto: Reuters

Berlin - Es würde so schön passen: Opel- Chef Karl-Thomas Neumann verlässt das Unternehmen und wechselt nach ein paar Monaten im Herbst zu Audi, wo der Stuhl des Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler kräftig wackelt. Den VW-Konzern, zu dem Audi gehört, kennt Neumann bestens, denn er war gleich zweimal für die Wolfsburger tätig, insgesamt rund acht Jahre lang – zuletzt als China-Chef bis Mitte 2012. Am Montag ist Neumann von seinem Amt zurückgetreten. Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzchef Michael Lohscheller, teilte Opel mit. Wohin Neumann geht, darüber kann weiter nur spekuliert werden. Die Ablösung Stadlers stehe derzeit nicht zur Diskussion, hatten zuletzt die VW-Eigentümerfamilien Porsche/Piëch erklärt. Erst vor wenigen Wochen war Stadlers Vertrag um fünf Jahre verlängert worden.

Über Twitter bestätigte Neumann , der intern KTN genannt wird, am Montag Berichte über seinen bevorstehenden Rücktritt: „Gerade als Vorsitzender des Vorstandes zurückgetreten. Bleibe bei Opel bis zum Abschluss der Übernahme. KTN“, schrieb der Opel-Chef und gratulierte wenig später seinem Nachfolger Michael Lohscheller. „Mit Ihnen bekommt Opel einen CEO, der das Unternehmen gut kennt. Das ist die gute Nachricht des Tages!“ Begrüßt wurde die Entscheidung für Lohscheller auch vom Betriebsrat.

Bis 2020 soll Opel Geld verdienen

Neumann wird das Unternehmen nach dem Vollzug der Übernahme durch den PSA-Konzern vermutlich im Herbst verlassen. Offensichtlich stimmte die Chemie nicht zwischen ihm und PSA-Chef Carlos Tavares, obwohl der Opel nach eigener Aussage viel Selbstständigkeit lassen will. Indes mit einem klaren Auftrag: Bis 2020 muss die künftige deutsche Tochter profitabel sein. Neumann lobte am Montag erneut das Zusammengehen mit PSA. Dadurch werde Opel „noch erfolgreicher und stärker aufgestellt“. Sein Nachfolger sieht es genauso. Opel werde an Schlagkraft gewinnen, sagte Lohscheller. „Hier entsteht ein neuer europäischer Champion.“

Lohscheller ist seit 2012 im Opel-Vorstand, seit knapp drei Jahren Finanzchef der neu formierten Opel Group GmbH. Mit der Autobranche ist der 48-Jährige schon länger verbunden. Bevor er nach Rüsselsheim kam, war er Finanzchef von VW of America, davor arbeitete der gelernte Diplom-Kaufmann bei Jungheinrich, Daimler und Mitsubishi Europa.

Die Opel-Händler bedauern Neumanns Entscheidung

Neumann hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Gewinne angekündigt, zumal die Verkaufszahlen nach oben gingen. Doch dann kamen ihm die Krise in Russland und die Wirtschaftssanktionen wegen der Ukraine in die Quere. In der Folge brach der Absatz in Russland komplett ein, ein Werk musste geschlossen werden. Vergangenes Jahr war es dann der Brexit, der das Geschäft der Opel-Schwester Vauxhall in Großbritannien schwer belastete.

Trotzdem ist das Bedauern bei Opel über den Abgang Neumanns groß. Schließlich hat er sich auch bei den rund 38 000 Beschäftigten, davon 19 000 in Deutschland, einen guten Ruf erworben. Auch beim Opel-Händlerverband bedauert man Neumanns Entscheidung. „Er war gut für das Unternehmen und hat viel für die Marke getan“, sagte Peter Hübner, Vorstand des Händlerverbandes VDOH, dem Tagesspiegel. Dass es auch Neumann nicht gelungen ist, Opel aus den roten Zahlen zu holen, kommentierte Hübner nicht. „Es ist ja klar: Irgendwann müssen wir Geld verdienen“, sagte er.


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