KARRIERE Frage : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Darf der alte Chef reden?

an Anja Mengel

Ich bin als Manager in einem internationalen Konzern in Frankfurt tätig und plane, mich bei einem Konkurrenzunternehmen in Berlin auf eine Führungsposition zu bewerben. Nun kam im ersten Gespräch heraus, dass die Berliner sich bei meinem jetzigen und meinem vorherigen Chef über mich informiert haben. Ist das rechtens?

Nein, dieses Vorgehen ist nicht nur höchst unprofessionell und schädlich für das Unternehmen, das Bewerber wie Sie in dieser Art bloßstellt, weil sich dies herumsprechen und damit die Attraktivität des Arbeitgebers reduzieren wird.

Diese Vorgehensweise ist nach heutigen Maßstäben auch datenschutzrechtlich unzulässig, denn das deutsche (und europäische) Datenschutzrecht sehen grundsätzlich vor, dass personenbezogene Daten – wie hier zu Ihrer Person und Ihren Leistungen bei den vorherigen Arbeitgebern – direkt bei Ihnen zu erfragen sind oder – bei Erhebung der Daten bei einem Dritten – die schützwürdigen und überwiegenden Interessen der Person nicht beeinträchtigt werden.

Von einer solchen Beeinträchtigung geht man aus, wenn der Arbeitgeber sich entgegen der Vorgabe des Bewerbers um Vertraulichkeit unabgestimmt bei einem bisherigen Arbeitgeber, oder gar einem aktuellen Arbeitgeber, erkundigt – wie in Ihrem Fall. Im deutschen Recht gilt der Grundsatz, dass ein Bewerber mit einer entsprechenden Vertraulichkeitsbitte Erkundigungen bei Dritten sperren kann.

Hat der Bewerber nicht ausdrücklich um eine solche Vorgabe zur Vertraulichkeit gebeten, kann sich diese auch aus den Umständen ergeben, wie hier durch die Konkurrenzsituation oder die noch ungekündigte Stellung.

Anders kann es aber liegen, wenn es keine derartigen Einschränkungen gibt: Fehlt ein besonderes Vertraulichkeitsbedürfnis, ist durch die Rechtsprechung nicht eindeutig geklärt, ob der Bewerber der Anfrage oder jedenfalls der Auskunftserteilung durch den bisherigen Arbeitgeber zustimmen muss. Es spricht einiges dafür, dass die Anfrage auch dann nicht heimlich erfolgen darf, sondern der Bewerber gefragt werden muss, zumindest durch den bisherigen Arbeitgeber.

Auch hier kommt es aber auf die Umstände an. Fragt der Arbeitgeber in der Ausschreibung nach Referenzen und gibt der Bewerber diese ohne ausdrückliche Vertraulichkeitsvorgaben an, dann kann darin die Einwilligung mit einem Kontakt der Referenzpersonen gesehen werden.

Das deutsche Datenschutzrecht sieht überdies vor, dass der Bewerber unterrichtet werden muss, wenn die mitgeteilten Daten in der Bewerberakte gespeichert werden sollen; spätestens dann muss nach dem Gesetz daher die Offenlegung zur Anfrage erfolgen. Foto: Promo

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