KARRIERE Frage : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Zu viel gezahltes Gehalt – was tun?

an Anja Mengel
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Ich bin eine Führungskraft und bekomme seit einem halben Jahr monatlich 300 Euro mehr Gehalt auf mein Konto überwiesen. Darüber habe ich mir bisher nicht viele Gedanken gemacht. Kurz vorher hatte ich mit meinem Chef über mehr Geld verhandelt, ohne allerdings zu einem konkreten Ergebnis zu kommen. Nun habe ich aber über Umwege herausgefunden, dass es sich um ein Versehen der Personalabteilung handelt. Muss ich mich jetzt melden und das zu viel gezahlte Geld zurückzahlen?

Ja, unbedingt. Wenn ein Arbeitnehmer feststellt, dass er mehr Gehalt erhält als nach der Gehaltsabrechnung oder den vorhergehenden Zahlungen zu erwarten, muss er das unverzüglich dem Arbeitgeber melden.

Diese Pflicht ergibt sich aus der arbeitsvertraglichen Loyalitätspflicht, die für jedes Arbeitsverhältnis aufgrund gesetzlicher Regeln gilt – auch wenn sie im Arbeitsvertrag nicht schriftlich festgehalten wird. Die Loyalitäts- oder Treuepflicht hält Arbeitnehmer unter anderem dazu an, drohenden Schaden von dem Unternehmen abzuwenden, zum Beispiel durch zügiges Handeln und Hilferuf in Notfällen. Nach der Rechtsprechung ist ein Arbeitnehmer auch verpflichtet, eine Überzahlung des Arbeitgebers anzuzeigen, sobald er sie bemerkt – egal, wie hoch oder niedrig die Beträge sind.

Hat ein Arbeitnehmer bemerkt, dass er überzahlt wird und schweigt dazu, begeht er eine schwere und vorsätzliche Pflichtverletzung. Wird ein solcher Fall aufgedeckt, berechtigt das den Arbeitgeber grundsätzlich dazu, das Arbeitsverhältnis fristlos zu kündigen, zumindest aber zu einer verhaltensbedingten ordentlichen Kündigung. Dies gilt umso mehr, wenn eine Führungskraft die Überzahlung über einen längeren Zeitraum nicht anzeigt und/oder wenn es um größere Beträge geht. Die Arbeitsgerichte sind insoweit wenig nachsichtig mit Arbeitnehmern, die die Überzahlung kennen und abwarten, ob die Überzahlung dem Arbeitgeber selbst auffällt.

Hat der Arbeitnehmer die Überzahlung versehentlich ausgegeben, bevor er den Fehler bemerkt, muss er ihn trotzdem melden. Ist das gesamte überzahlte Geld bereits versehentlich ausgegeben, kann das unter bestimmten Umständen – vor allem bei „Luxusausgaben“ – von der Pflicht befreien, das Geld zurückzuzahlen.

Allerdings macht es keinen guten Eindruck – vor allem nicht für eine Führungskraft – zu erklären, dass das Geld bereits ausgegeben und deshalb die Rückzahlung nicht möglich ist. Überdies läge die Beweislast insoweit bei dem Arbeitnehmer.

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