KARRIERE Frage : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Wie warm muss das Büro sein?

an Anja Mengel

Zurzeit arbeite ich in einer Firma, die ihre Büroräume in einem schlecht isolierten Altbau eingerichtet hat. In diesem Winter ist es deshalb sogar vorgekommen, dass die Temperatur an meinem Arbeitsplatz teils nur fünfzehn Grad Celsius betrug. Mein Chef sagte, er könne nichts machen, die Heizung gebe nicht mehr her. Muss ich das ertragen oder kann ich im Notfall zuhause bleiben?

Bei dauerhaft niedrigen Temperaturen in Büroräumen von nur fünfzehn Grad haben Sie das Recht, von Ihrem Arbeitgeber Abhilfe zu fordern. Unternimmt er nichts, können Sie gegebenenfalls die Arbeit verweigern. Dies setzt aber ein dauerhaftes Temperaturproblem voraus. Nur hin und wieder sinkende Temperaturen reichen dazu nicht aus, denn arbeitsrechtlich gibt es keine zwingende Mindestvorgabe für Bürotemperierung, die strikt zu jeder Zeit einzuhalten ist.

Zwar ist der Arbeitgeber allgemein verpflichtet, die Räume, in denen die Beschäftigten arbeiten, so einzurichten, dass sie gegen Gefahr für Leben und Gesundheit so weit geschützt sind, wie es die Natur der Tätigkeit gestattet. Außerdem gibt die Arbeitsstättenverordnung Mindest- und Höchsttemperaturen für verschiedene Arbeitssituationen – sitzend, stehend/gehend, leichte bis schwere (körperliche) Arbeiten – vor. Als Mindesttemperatur für sitzende und leichte Arbeiten sind 20 Grad Celsius vorgeschrieben, die während der gesamten Arbeitszeit gewährleistet sein sollten. Abweichungen aufgrund unvermeidbarer Umstände, etwa wegen extremer Außentemperaturen, sind allerdings erlaubt.

Kann auch ein Vermieter keine Abhilfe schaffen, muss der Arbeitgeber besondere Maßnahmen ergreifen und etwa Aufwärmpausen gewähren oder Heizlüfter aufstellen. Die Kosten muss gegebenenfalls der Vermieter tragen.

Reagiert der Arbeitgeber aber nicht auf eine Beschwerde und ist wegen der anhaltend zu niedrigen Temperaturen die Gesundheit gefährdet, kann ein Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung zurückhalten. Und das solange, bis Abhilfe geschaffen ist – bei Fortzahlung der Vergütung.

Alternativ besteht grundsätzlich auch das Recht, die zuständige Arbeitsschutzbehörde einzuschalten. Allerdings müssen Beschäftigte im Streitfall beweisen, das die Gesundheit gefährdet ist. Solange nur eine Erkältung droht oder eintritt, ist dies typischerweise keine sehr große Gefahr für die Gesundheit. Daher sollte die Arbeit in den kalten Räumen nicht vorschnell verweigert werden. Besteht (noch) kein Weigerungsrecht, könnte der Arbeitgeber Ihnen ansonsten wegen unzulässiger Arbeitsverweigerung kündigen. Ratsam ist daher, gemeinsam eine Lösung zu suchen. Foto: Promo

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