KARRIERE Frage : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Muss ich jetzt Urlaub nehmen?

an Anja Mengel
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Ich arbeite bei einem mittelständischen Unternehmen und habe noch 16 Urlaubstage für dieses Jahr. Meine Chefin hat mich nun gebeten, den Urlaub noch in 2012 zu verbrauchen. Das passt mir aber überhaupt nicht. Denn mein Plan ist, Anfang 2013 einen längeren Urlaub zu machen. Außerdem bin ich sehr eingespannt in einem Projekt und kann nicht mehr so viele Tage Urlaub nehmen. Kann ich die Tage nicht einfach mit ins nächste Jahr nehmen?

Nein, so einfach ist es nicht. Denn die Entscheidung, ob Urlaubstage in das nächste Jahr übertragen werden können, liegt nicht beim Arbeitnehmer. Streng genommen sieht das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) nicht einmal vor, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich über eine solche Übertragung einigen – obwohl solche Vereinbarungen in der Praxis oft vorkommen. Das Gesetz sieht vielmehr eine automatische Übertragung nur für die Fälle vor, in denen der Arbeitnehmer aus „dringenden betrieblichen Gründen“ oder aus „in seiner Person liegenden Gründen“ den Urlaub nicht vollständig in dem laufenden Kalenderjahr nehmen kann.

Denn das BurlG hat den Zweck, die Arbeitskraft der Arbeitnehmer zu schützen, indem regelmäßig Erholungsurlaube vorgegeben werden. Deshalb ist es vorgesehen, dass der gesamte Jahresurlaub grundsätzlich auch in demselben Jahr zu nehmen ist – übrigens auch grundsätzlich „zusammenhängend“, somit nicht gestückelt auf viele einzelne Tage.

In bestimmten Fällen ist es per Gesetz automatisch geregelt, dass Urlaubstage übertragen werden: Wenn man den Urlaub aus gesundheitlichen Gründen nicht nehmen kann, etwa weil eine ganzjährige Erkrankung vorliegt. Oder wenn man zum Jahresende hin krank wird und der „Weihnachtsurlaub“ dadurch ausfällt. Der Arbeitnehmer muss diese Übertragung weder beantragen noch muss der Arbeitgeber ihr zustimmen. Beide Seiten dürfen lediglich prüfen, ob die Voraussetzungen stimmen. Lehnen Chefs einen Urlaub aus „dringenden betrieblichen Gründen“ ab, müssen die Urlaubstage ebenfalls ins nächste Jahr übertragen werden. Gleiches gilt für eine verhängte „Urlaubssperre“.

Die Aufforderung Ihrer Chefin, den Urlaub noch zu nehmen, spricht daher hier deutlich gegen eine Übertragung, so dass alle 16 Resturlaubstage verfallen würden. Es empfiehlt sich, offen darüber zu sprechen, wie dringend die Projektarbeiten sind und ob es möglich ist, Urlaubstage auf das nächste Jahr zu übertragen. Möglicherweise versteht die Chefin die Argumentation und erkennt an, dass das Projekt mit Urlaub in 2012 nicht mehr rechtzeitig abzuschließen ist. Und nimmt so ihre Bitte vielleicht zurück. Denn dann läge ein Übertragungsfall vor.

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