KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Darf ich die Unterlagen prüfen?

an Christoph Abeln

Ich bin bei einer Einzelhandelsfirma angestellt. Die Arbeits- und Pausenzeiten werden über ein elektronisches Zeiterfassungssystem gespeichert und zwei Jahre aufbewahrt, wie es das Arbeitszeitgesetz verlangt. Die Bezahlung erfolgt durch ein Grundgehalt und einen Umsatzanteil (Provision). Das ist für mich aber nicht transparent und ich würde gern Einsicht nehmen in die Dokumente. Kann ich verlangen, dass mir mit der Lohnabrechnung auch ein Arbeitszeitnachweis sowie eine Liste meiner Umsätze ausgehändigt werden?

Vertrauen ist gut, Kontrolle bekanntlich besser. Als Arbeitnehmer haben Sie ein Recht darauf, zu erfahren, was in ihrer Personalakte steht und welche Informationen der Arbeitgeber über sie speichert. Dazu gehört auch die Arbeitszeit.

Ob der Arbeitgeber verpflichtet ist, mit jeder Lohnabrechnung auch einen Zeiterfassungsnachweis zu übermitteln, wurde noch nicht entschieden. Dies kann einen großen, unnötigen administrativen Aufwand bedeuten, so dass ein Arbeitnehmer nur im Einzelfall, bei Zweifeln an der Korrektheit, Einsicht nehmen sollte. Eine generelle, monatliche Mitteilungspflicht gibt es nicht. Diese könnte aber arbeitsvertraglich, im Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung, festgelegt werden.

Auch wenn der Arbeitnehmer nach der geleisteten Zeit vergütet wird, ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer die erfassten Zeiten zusammen mit der Lohnabrechnung mitzuteilen.

Gibt es in Ihrer Firma einen Betriebsrat, kann dieser Auskunft über die aufgezeichnete Arbeitszeit verlangen und sich auch die Unterlagen vorlegen lassen. Er wacht darüber, dass der Arbeitgeber das Arbeitszeitgesetz einhält. Mitarbeiter, die nicht den Eindruck erwecken wollen, dass sie ihrem Arbeitgeber misstrauen, könnten die Informationen über den Betriebsrat anonym erlangen. Der Betriebsrat kann alle Arbeitszeitnachweise einsehen, ohne dem Arbeitgeber mitteilen zu müssen, welche Aufzeichnung er sich genau ansieht. Der Betriebsrat unterliegt einer Schweigepflicht. Der Arbeitnehmer kann die Personalakte auch gemeinsam mit einem Betriebsratsmitglied einsehen.

Wenn sich Ihre Provision am Umsatz ihrer Firma orientiert, haben Sie auch hier einen Auskunftsanspruch. Sie müssen Ihr Gehalt und dessen Zusammensetzung nachvollziehen können. Dazu muss Ihnen der Arbeitgeber die notwendigen Umsatzinformationen geben. Er muss Ihnen auch vorrechnen können, wie er Ihre Provision ermittelt. Ist dies nicht transparent, können Sie auch hier den Betriebsrat oder einen Anwalt zu Rate ziehen, um die Zeiterfassung und Provisionsberechnung überprüfen zu lassen. Als letztes Mittel käme eine arbeitsgerichtliche Überprüfung in Betracht. Foto: Promo

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