KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Stehen mir Pausen am Bildschirm zu?

an Christoph Abeln

Ich arbeite für ein Zeitarbeitsunternehmen, das mich an ein Callcenter vermietet. Dort sitzen meine Kollegen und ich acht Stunden vor den Computern. Die Pausenzeit beträgt eine Stunde. Doch uns werden keine kurzen Pausen für die Bildschirmarbeit gewährt. Stehen uns als Leiharbeiter diese Pausen etwa nicht zu und wer hätte für die Einhaltung Sorge zu tragen – die Zeitarbeitsfirma oder das Callcenter?

Leiharbeitnehmern stehen die gleichen Pausenzeiten zu, wie festangestellten Kollegen. Die Einhaltung hat der Vorgesetzte beziehungsweise der Weisungsberechtigte vor Ort zu überwachen. Bildschirmpausen sind allerdings keine „echten“ Pausen. Der Gesetzgeber fordert mit der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten, dass der Arbeitgeber die Tätigkeit der Beschäftigten so organisiert, dass die Arbeit am Bildschirm regelmäßig durch andere Tätigkeiten oder Pausen unterbrochen wird.

Die Bildschirmarbeitsverordnung dagegen fasst die Anforderungen an das Bildschirmgerät, den Arbeitsplatz und die Arbeitsumgebung sowie an die Software und die Arbeitsorganisation zusammen. Ziel dieser Verordnung ist es, die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten – ohne dem Arbeitgeber den notwendigen Spielraum zu nehmen, den Arbeitsplatz an die individuellen Anforderungen anzupassen.

Ein Hauptaugenmerk der Verordnung liegt auf der regelmäßigen Unterbrechung der Bildschirmarbeit, die der Gesetzgeber zeitlich aber nicht spezifiziert hat. Nach Meinung von Experten sollen Arbeitnehmer stündlich etwa fünf bis zehn Minuten nicht auf den Bildschirm schauen. In dieser Zeit kann der Arbeitgeber aber verlangen, dass andere Tätigkeiten ausgeübt werden.

Die Verordnung regelt darüber hinaus weitere Einzelheiten im Umgang mit Bildschirmarbeitsplätzen. Dazu gehört zum Beispiel: Die auf dem Monitor dargestellten Zeichen müssen scharf, deutlich und ausreichend groß sein sowie einen angemessenen Zeichen- und Zeilenabstand haben. Das dargestellte Bild muss stabil und frei von Flimmern sein. Am Bildschirmarbeitsplatz muss ausreichender Raum für wechselnde Arbeitshaltungen vorhanden sein. Der Arbeitgeber ist ferner verpflichtet, dem Arbeitnehmer Untersuchungen der Augen und des Sehvermögens anzubieten. Ebenso muss er dafür sorgen, dass die Arbeitsmöbel möglichst ergonomisch sind, um schwerwiegenden Gesundheitsproblemen vorzubeugen.

Der Arbeitnehmer wiederum ist verpflichtet, den Arbeitgeber darin zu unterstützen, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Bildschirmarbeitsplatz zu gewährleisten. Foto: Promo

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