KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Wie komme ich an mein Geld?

an Christoph Abeln

Ich bin Maler und kürzlich über das Internet an einen Job geraten, bei dem man mir eine Festanstellung nach dem geltenden Tarif, Mindestlohn 11,25 Euro pro Stunde, versprach. Ich nahm das Arbeitsverhältnis an und begann kurz darauf mit der Renovierung einer Wohnung. Mein neuer Arbeitgeber kontrollierte hin und wieder meine Arbeit und wies mir weitere Aufträge zu. Nun sind eineinhalb Monate vergangen. Einen Arbeitsvertrag habe ich noch nicht gesehen und auch kein Geld, was üblicherweise nach einem Monat gezahlt wird. Nun habe ich von der Handwerkskammer erfahren, dass keine Firma unter dem mir bekannten Namen eingetragen ist. Was kann ich tun?

Rückständiges Arbeitsentgelt kann man vor dem Arbeitsgericht einklagen. Dies macht aber nur Sinn, wenn man weiß, gegen wen sich die Klage richtet. Haben Sie diesbezüglich keine Informationen, bleibt Ihnen zunächst nur der Weg, eine Anzeige wegen Betruges zu erstatten. Dann ist es Aufgabe der Polizei, gegen den Arbeitgeber zu ermitteln. Erst auf diesem Wege ist es möglich, eine Anschrift für die Zahlungsklage zu erhalten. Wenn die Ermittlungen erfolgreich waren, kann beim Arbeitsgericht geklagt werden.

Kann man aus finanzieller Not nicht warten, bis sich der Streit vor Gericht klärt, kann man sich an die Arbeitsagentur wenden und eine sogenannte Gleichwohlgewährung beantragen.

Der Arbeitnehmer muss aber nachweisen, dass er die Arbeit aufgrund eines beträchtlichen Zahlungsverzugs verweigert. Als Richtwert setzen Experten und Gerichte dafür mindestens zwei nicht bezahlte Monatslöhne an.

Es gibt zwei gerichtliche Alternativen: entweder eine einstweilige Verfügung oder eine Klage auf Zahlung des ausstehenden Lohns. Für die einstweilige Verfügung muss der Arbeitnehmer dem Arbeitsgericht nachweisen, dass er sich in einer Notlage befindet und seinen Lebensunterhalt nicht aus seinem Vermögen, Zahlungsansprüchen gegenüber Dritten oder dem Anspruch aus Arbeitslosengeld bestreiten kann.

Ist das nicht der Fall, muss ein normales arbeitsgerichtliches Verfahren angestrengt werden, um ausstehende Lohnansprüche geltend zu machen.

Eine (meist) schnellere Variante ist das arbeitsgerichtliche Mahnverfahren. Grundlage ist ein (nicht notwendigerweise schriftlicher) Arbeitsvertrag zwischen einem abhängig Beschäftigten und einem Arbeitgeber. Wehrt sich der Arbeitgeber (als Schuldner) binnen einer Woche nicht gegen den Mahnbescheid, kann der Arbeitnehmer (als Gläubiger) die Geldforderung ohne Klage und Urteil vollstrecken. Wehrt sich der Arbeitgeber form- und fristgerecht, gibt es ein arbeitsgerichtliches Verfahren. Foto: Promo

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