KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Muss ich jetzt Urlaub nehmen?

an Christoph Abeln

Ich bin bei einer mittelständischen Firma angestellt und habe ein Problem. Jedes Jahr wieder fordert uns der Chef auf, zwischen Weihnachten und Neujahr Urlaub zu nehmen. Das passt mir gar nicht. Ich würde lieber im Herbst oder Sommer frei machen. Muss ich mich dieser Bitte fügen?

Der Zeitpunkt des Urlaubs ist grundsätzlich davon abhängig, wann er geltend gemacht wird – und kann nicht vom Arbeitgeber nach freiem Ermessen zugeteilt werden. Nach dem Bundesurlaubsgesetz (BurlG) sind bei der zeitlichen Festlegung ausdrücklich die Wünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen.

Nur wenn der Arbeitnehmer keine Wünsche geäußert hat, darf der Arbeitgeber den Zeitraum bestimmen. Jedoch auch dann ist der Arbeitnehmer nicht gezwungen, die vom Arbeitgeber vorgegebene Zeit hinzunehmen. Er kann die Urlaubserteilung ablehnen und nachträglich Wünsche äußern, die der Arbeitgeber nicht ablehnen darf. Etwas anderes gilt nur, wenn dem dringende betriebliche Belange oder die Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten Vorrang haben, entgegenstehen. Eine Ausnahme bilden die Betriebsferien oder der Betriebsurlaub.

Betriebsferien können eingeführt werden, wenn den individuellen Urlaubswünschen des Arbeitnehmers dringende betriebliche Belange im Sinne des BurlG (Paragraf 7) entgegenstehen. Das sind insbesondere auch solche Umstände, die in der betrieblichen Organisation, im technischen Arbeitsablauf oder der Auftragslage liegen. Unter solchen Umständen erlaubt das Direktionsrecht des Arbeitgebers, den Betrieb für eine gewisse Zeit still zu legen und den Arbeitnehmern in dieser Zeit Urlaub zu gewähren. Besteht ein Betriebsrat, muss er beteiligt werden, da es sich bei der Einführung um ein echtes Mitbestimmungsrecht handelt.

Individuelle Urlaubswünsche müssen dann zurückstehen. Nur wenn der Arbeitnehmer während der Betriebsferien krank wird oder Schutzfristen wie etwa dem Mutterschutz unterliegt, hat er Anspruch auf Urlaub zu anderer Zeit.

Hat ein Arbeitnehmer zur Zeit der Betriebsferien noch keinen Urlaubsanspruch erworben, etwa weil die sechsmonatige Wartezeit noch nicht vorüber ist, muss der Arbeitgeber ihn weiterbeschäftigen. Auch wenn er ihn nicht weiterbeschäftigt, muss er ihm die ungekürzte Vergütung zahlen. In diesen Fällen darf der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den Urlaub zeitanteilig anrechnen, das heißt ein Zwölftel pro Monate der Beschäftigung.

Verlässt ein Arbeitnehmer vor Ende der sechsmonatigen Wartezeit das Unternehmen, kann zu viel gewährter Urlaub und gezahltes Urlaubsgeld nicht zurückgefordert werden. Foto: Promo

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben