KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Ist Faulheit ein Kündigungsgrund?

an Christoph Abeln

Ich leite eine Agentur mit 30 Beschäftigten. Leider habe ich mich bei der Einstellung eines neuen Kollegen etwas verschätzt und nun einen Mitarbeiter mit unbefristetem Vertrag eingestellt, der sich nun als äußerst ideenlos und außerdem als sehr faul entpuppt hat. Dass er nur halb so viel arbeitet wie Beschäftigte in einer ähnlichen Position kann man ihm aber kaum nachweisen, da bei uns hauptsächlich in Teams gearbeitet wird. Gibt es einen Weg, diesen Mitarbeiter wieder los zu werden?

Dass ein Arbeitnehmer schlechte Leistungen bei der Arbeit erbringt, kann ihm nicht so ohne Weiteres vorgeworfen werden, denn es gibt grundsätzlich keine objektiv geschuldete Leistung. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) sind Arbeitnehmer lediglich verpflichtet, unter angemessener Ausschöpfung ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit zu arbeiten.

Zu langsames Arbeiten (quantitative Minderleistung) oder häufige Fehler (qualitative Minderleistung) mögen den Arbeitnehmer aus Sicht des Arbeitgebers zum „Low Performer“ abqualifizieren, einen Kündigungsgrund stellen diese Schlechtleistungen aber nur selten dar.

Wirksam gekündigt werden kann einem Arbeitnehmer mit Kündigungsschutz nur dann, wenn ihm die schlechte Leistung zum Vorwurf gemacht werden kann, das heißt wenn er nicht besser will, obwohl er es könnte. Das kann der Arbeitgeber aber nur schwer nachweisen.

Bei der Kündigung von Low Performern unterscheidet das Bundesarbeitsgericht (BAG) zwischen quantitativen und qualitativen Minderleistungen. Bei quantitativer Minderleistung muss der Arbeitgeber nachweisen, dass das Leistungsvolumen des betreffenden Arbeitnehmers mindestens ein Drittel unter dem Schnitt liegt. Bei qualitativer Minderleistung muss er nachweisen, dass der Arbeitnehmer die durchschnittliche Fehlerquote vergleichbarer Arbeitnehmer hinsichtlich Anzahl, Schwere und Konsequenz deutlich und längerfristig überschreitet.

Der Arbeitnehmer muss dann seinerseits darlegen, dass die Minderleistung entweder nicht vorliegt oder nicht von ihm zu verantworten ist.

Generell ist eine personenbedingte Kündigung aber schwierig. Dazu kommt, dass auch die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes und dessen Fehlerpotenzial berücksichtigt werden müssen. Sinnvoll ist es daher, bei unbefristeten Verträgen eine sechsmonatige Probezeit zu vereinbaren und sich in dieser Zeit genau mit der Leistung des Arbeitnehmers auseinanderzusetzen. Foto: Promo

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