KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Habe ich ein Recht auf ein Zeugnis?

an Christoph Abeln

Ich bin 67 Jahre alt, arbeite seit 20 Jahren als Manager in einem Berliner Unternehmen und gehe demnächst in Ruhestand. Nun habe ich vor, freiberuflich weiterzuarbeiten, angefragt wurde ich bereits von verschiedenen Unternehmen. Deshalb würde ich mir gern von meinem jetzigen Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen. Doch der verweigert mir das. Habe ich kein Recht darauf?

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, ein Zeugnis von seinem Arbeitgeber zu erhalten. Dabei sind zwei Arten von Zeugnissen zu unterscheiden. Es gibt ein einfaches Zeugnis, welches Personalien und Angaben zu Art und Dauer der Anstellung mitteilt. Es beinhaltet allerdings keinerlei Wertungen.

Deutlich interessanter für eine Neubewerbung ist ein qualifiziertes Zeugnis. Darin beurteilt der Arbeitgeber die Arbeitsleistung, die Qualifikation und das dienstliche Verhalten des ehemaligen Angestellten. In diesem Fall handelt es sich um ein Endzeugnis. Aber auch während eines laufenden Angestelltenverhältnisses kann man ein Zwischenzeugnis verlangen. Dies ist besonders ratsam, wenn der Chef wechselt. Denn der neue Chef hat kann die bisher geleistete Arbeit gar nicht sachgerecht beurteilen. Ein anderer Grund kann sein, dass man selbst einem neuen Arbeitsplatz zugewiesen wird. Wichtig ist, dass ein Zeugnis zwar eine Empfehlung sein kann, aber kein wirkliches Empfehlungsschreiben ist.

Wichtig: In Deutschland hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf ein solches qualifiziertes Zeugnis. Gerichte verlangen, dass es wohlwollend formuliert sei, um dem Arbeitnehmer das „berufliche Fortkommen nicht zu erschweren“. Da es nicht erlaubt ist, einen Arbeitnehmer richtig zu benoten, haben sich mit der Zeit bestimmte Klauseln eingebürgert. Note 1 wird mit den Worten „...erledigte alle ihm übertragenen Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit“ umschrieben, Note 2 mit „... stets zur vollen Zufriedenheit“, Note 3 mit „... stets zur Zufriedenheit“ und Note 4 ist „... zur Zufriedenheit“.

Falls ein Arbeitgeber kein Zeugnis ausstellt, kann der Arbeitnehmer auf Zeugniserteilung klagen. Der Arbeitnehmer hat jedoch grundsätzlich nur einen Anspruch auf ein Zeugnis mit der Note drei. Möchte er eine bessere Note, muss er die besseren Leistungen beweisen. Umgekehrt gilt genauso, dass ein Arbeitgeber schlechte Leistungen beweisen muss. Auch die äußere Form ist wichtig, per Gesetz darf durch sie der Inhalt nicht herabgewürdigt werden.

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