KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mobbing – kann ich klagen?

an Christoph Abeln

Ich bin seit 15 Jahren in einem Betrieb angestellt und teile mir seit einer Weile das Büro mit einem neuen Kollegen. Durch ihn fühle ich mich schikaniert und gemobbt. Ein Gespräch mit ihm war ergebnislos. Ich habe Schlafstörungen und würde mich am liebsten Krankschreiben lassen, es ist eine große psychische Belastung. Doch ich bin 51 Jahre alt und habe Angst vor einer Kündigung und dann nicht mehr Fuß zu fassen auf dem Arbeitsmarkt. Kann ich gegen meinen Kollegen wegen Mobbing klagen? Oder habe ich eine andere rechtliche Handhabe?

Es gibt einige Möglichkeiten, wie man sich gegen unangebrachtes Verhalten eines Vorgesetzten oder Kollegen zur Wehr setzen kann. Existiert im Unternehmen ein Betriebsrat, so kann man sich mit einer Beschwerde an diesen wenden. Denn Betriebsräte sind auch dazu da, darüber zu wachen, dass alle Arbeitnehmer nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit behandelt werden. Der Betriebsrat ist daher sogar verpflichtet, auch ohne eine Beschwerde des Betroffenen gegen Mobbing vorzugehen. Im äußersten Fall kann der Betriebsrat von seinem Recht Gebrauch machen, die Versetzung oder Entlassung des mobbenden Arbeitnehmers zu fordern.

Des Weiteren kann eine Beschwerde beim Arbeitgeber eingereicht werden. Arbeitgeber sind auch durch den Paragraphen zwölf des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes dazu verpflichtet, zu handeln. Zudem gehört es zu den Nebenpflichten jedes Arbeitgebers, seine Arbeitnehmer davor zu bewahren, dass ihre Persönlichkeitsrechte und ihr Rechts auf körperliche Unversehrtheit verletzt werden. Er muss, nachdem er Kenntnis von den Mobbinghandlungen erlangt hat, gegen den Vorgesetzten vorgehen und arbeitsrechtliche Maßnahmen wie Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung ergreifen. Unternimmt der Arbeitgeber nichts, haftet er gegebenenfalls mit Schadenersatz und bei immateriellen Schäden unter Umständen auf Schmerzensgeld.

Darüber hinaus kann der Arbeitnehmer dazu berechtigt sein, seine Arbeitsleistung solange zurückzubehalten, bis die Beeinträchtigung beseitigt ist. Also unter Fortzahlung der Vergütung zu Hause zu bleiben. Letztlich kommen auch zivilrechtliche Schadens- und Unterlassungsansprüche gegenüber dem mobbenden Vorgesetzten in Betracht.

Um das unangemessene Handeln der Beteiligten vor Gericht zu beweisen, ist es ratsam, ein Mobbingtagebuch zu führen. Dieses sollte möglichst detailliert die jeweiligen Mobbinghandlungen dokumentieren. Entscheidet man sich dazu, vor Gericht zu gehen, muss man sich bewusst machen, dass ein derartiger Rechtsstreit häufig zum Jobverlust führt. Foto: promo

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben