KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Den Urlaub unterbrechen?

an Christoph Abeln

Ich arbeite als Abteilungsleiter in einem mittelständischen Betrieb. In den letzten Monaten haben wir intern einiges umstrukturiert und nach intensiver Arbeit inklusive Überstunden steht endlich mein Urlaub bevor. Mein Chef hat nun aber den schon lange genehmigten Urlaub unter Vorbehalt gestellt. Ich soll ständig erreichbar sein und damit rechnen, zurück geholt zu werden. Als Grund nannte er Mehrarbeit und Unvorhergesehenes durch die Umstrukturierungen und meine Führungsposition. Kann mein Chef das verlangen?

Das Bundesurlaubsgesetzes bestimmt, dass der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer Erholungsurlaub schuldet (§1 BurlG). Um diesen gesetzlichen Anspruch zu erfüllen, muss er ihn von seiner Arbeit freistellen. Der Angestellte soll seine Freizeit auch frei nutzen dürfen. Dies wäre aber dann nicht der Fall, wenn ein Angestellter ständig damit rechnen muss, wieder zur Arbeit gerufen zu werden – trotz Freistellung. Der Arbeitgeber würde mit diesem Verhalten den Anspruch des Arbeitnehmers auf Urlaub nicht erfüllen. Daher muss der Betrieb oder das Unternehmen vorher entscheiden, ob der Urlaub gewährt wird oder nicht. Abgelehnt werden kann er beispielsweise aufgrund dringender betrieblicher Belange. Ist der Urlaub allerdings einmal erteilt, so muss sich der Arbeitgeber auch daran halten und kann diesen nicht plötzlich unter Vorbehalt stellen.

Wenn der Arbeitgeber den Urlaub bereits genehmigt, der Angestellte ihn jedoch noch nicht angetreten hat, kann er nur in sehr begrenzten Ausnahmefällen widerrufen werden. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn unvorhergesehen ein Großteil der übrigen Angestellten erkrankt. Ist der Urlaub angetreten, ist ein Rückruf noch schwieriger möglich. Dazu muss ein Unternehmen schon existenziell bedroht sein. Gleiches gilt für Anrufe und Mails im Urlaub. Grundsätzlich darf einen der Arbeitgeber im Urlaub nicht anrufen, selbst wenn es sich nur um „eine kurze Frage“ handelt. Anders sieht es laut Bundesarbeitsgericht nur in eng umgrenzten Ausnahmen aus, wenn „zwingende Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“, vorliegen. Dies ist allenfalls bei einer Existenzbedrohung für das Unternehmen so.

Es verstößt gegen zwingendes Urlaubsrecht, wenn sich der Arbeitgeber versprechen lässt, dass ein Angestellter seinen Urlaub bei betrieblichen Problemen abbricht. Eine solche Absprache ist unwirksam, denn ein solcher Vorbehalt des Rückrufs ist mit dem Urlaubszweck, nämlich der Erholung, schlicht nicht vereinbar. Wenn ein Arbeitnehmer der Bitte seines Arbeitgebers doch nachkommt, kann er von ihm Schadenersatz, wie etwa die Stornokosten, fordern.Foto: promo

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar