KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Muss ich soziale Netzwerke nutzen?

an Christoph Abeln

Ich bin seit Jahren Personalverantwortlicher in einem mittelständischen Betrieb mit 250 Mitarbeitern. Nun hat mich meine Chefin beauftragt, mich in sozialen Netzwerken zu registrieren, um dort Bewerber zu recherchieren. Das geht mir aber gegen den Strich. Ganz davon abgesehen, bin ich auch privat dort nicht eingetragen. Muss ich mir nun einen Account anlegen?

Die Frage nach der Nutzung so genannter sozialer Netzwerke am Arbeitsplatz stellt sich im Arbeitsrecht immer wieder. Sei es das Problem, ob der persönliche Account am Arbeitsplatz benutzt werden darf, die Frage, ob Bewerber vor ihrer Einstellung „durchgecheckt“ werden dürfen oder eben ob der Arbeitgeber verlangen kann, dass sich Mitarbeiter in sozialen Netzwerken anmelden.

Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber haben ein Weisungsrecht gegenüber ihren Mitarbeitern. Das betrifft auch die Nutzung von Facebook & Co. am Arbeitsplatz. Ein generelles Recht, von seinen Mitarbeitern zu verlangen, sich in sozialen Netzwerken anzumelden, hat ein Arbeitgeber allerdings nicht. Durch sein Weisungsrecht hat er aber die Möglichkeit, die Leistungspflicht seiner Mitarbeiter näher auszugestalten. So darf er unter bestimmten Umständen auch veranlassen, dass soziale Netzwerke dienstlich genutzt werden. Dieses Recht ist allerdings zu differenzieren.

So hat der Chef ein nur sehr begrenztes Recht, Mitarbeiter dazu zu verpflichten, persönliche Profile anzulegen. Hier spielt immer das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers eine besondere Rolle. Niemand kann dazu verpflichtet werden, seine Privatsphäre im Internet darzustellen, nur um potenzielle Bewerber kennenzulernen oder für das Unternehmen zu werben.

Es stellt sich im Einzelfall die Frage, welcher Zweck mit einem Profil verfolgt wird. Wenn es nur um die Darstellung des Unternehmens geht, besteht auch immer die Möglichkeit, ein Firmenprofil anzulegen. Die Betreuung dieser Profile kann ein Vorgesetzter durch Weisung an seine Mitarbeiter weitergeben.

Eine Ausnahme kann auch dann bestehen, wenn es um Netzwerke geht, in denen nur das Marketing oder die Öffentlichkeitsarbeit, nicht aber der Arbeitnehmer in Person im Vordergrund steht. Hier könnten Mitarbeiter, die etwa in der Marketingabteilung oder in der Personalberatung beschäftigt sind, tatsächlich im Rahmen des Direktionsrechtes angewiesen werden, sich ein Profil anzulegen. Dies ist jedoch auch eine Frage des Datenschutzes. Auch hier kann es nur um den Job oder den Arbeitnehmer in seiner Funktion für das Unternehmen gehen – und nicht um die Darstellung seiner Privatsphäre in der Öffentlichkeit. Foto: Promo

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