KARRIERE Frage : an Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Macht es Sinn, darüber zu reden?

an Jürgen Hesse

Als Projektmanager bin ich auf die Zuarbeit anderer Abteilungen angewiesen. Mit einer bestimmten Kollegin klappt das aber mehr schlecht als recht. Zum wiederholten Mal hat sie ihre Arbeit zu spät abgeliefert, so dass ich trotz klarer Absprache mit meinen Projekten in großen Stress geraten bin. Die Kollegin ist sich aber offenbar keiner Schuld bewusst und findet auch an ihrer von mir eher als dürftig eingestuften Arbeit nichts zu kritisieren. Macht es da noch Sinn, den Konflikt zu suchen und mit ihr zu reden – oder sollte ich mich besser nach einem anderen Zuarbeiter umsehen? Schließlich werde ich sie kaum ändern.

Eine unangenehme Situation, der Sie verständlicherweise schnell entkommen möchten. Doch wenn Sie jetzt locker lassen, hat Ihre Kollegin womöglich genau das erreicht, was sie wollte: Sie ist einen für sie offensichtlich unangenehmen Job ohne Diskussion losgeworden.

Die von Ihnen angedachte Vermeidungsstrategie wird leider viel zu oft von Personen angewandt, die sich, bewusst oder unbewusst, unterlegen fühlen. Eine offene Auseinandersetzung wird vermieden, die eigene konträre Meinung nicht vorgebracht. Oftmals verhindert die Vermeidungsstrategie sogar, dass ein Konflikt vom Gegenüber überhaupt als solcher wahrgenommen wird. Denn die Äußerung des eigenen Unbehagens findet nur „hinter vorgehaltener Hand“ oder in Ihrem Bauch (Grummeln) statt. Indem Sie sich dem Konflikt entziehen, wird er auch nicht gelöst. Wenn Sie jetzt nachgeben, kann das zum Gefühl der Niederlage und dem Verlust der Souveränität führen.

Konflikte im Team entstehen oft durch unklare Rollen der Mitarbeiter untereinander oder gegenüber dem Chef. Deshalb muss jedem klar sein, was von ihm erwartet wird. Wenn es in der Zusammenarbeit hakt, sollten Sie das offen kommunizieren. Bitten Sie also die Kollegin zu einem Gespräch unter vier Augen und fragen Sie sie nach dem Grund für ihr Verhalten. Dabei sollten Ihre Aussagen nur das eigene Befinden zum Ausdruck bringen. Verfallen Sie nicht in ein belehrendes „Du solltest aber...“. Es geht um Ihren persönlichen, subjektiven Standpunkt.

Versuchen Sie einen Konsens zu finden. Die Lösung kann sich auch völlig außerhalb der verhandelten Streitpunkte finden. Schätzt sie tatsächlich diese Aufgabe nicht, ließe sich etwa über die Neuorganisation dieses Teilgebiets das Problem aus dem Weg schaffen und die Stimmung im Team insgesamt verbessern. Können Sie sich nicht einigen oder ändert sich auch nach dem Gespräch nichts an der Lage, sollten Sie einen gemeinsamen Termin mit Ihrem Vorgesetzten vereinbaren. Bei allen Maßnahmen ist das erklärte Ziel, zur kollegialen Zusammenarbeit zurückzukehren.Foto: Promo

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