KARRIERE Frage : an Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Wie soll ich es dem Chef sagen?

an Jürgen Hesse

Ich habe zehn Jahre lang in einem mittelständischen Unternehmen in der Metallindustrie gearbeitet und gerade eine mir angebotene Führungsposition mit sehr spannenden Aufgaben in einem Konkurrenzunternehmen angenommen. Jetzt weiß ich nicht, wie ich das meinem Chef beibringen soll, mit dem ich bisher sehr gut ausgekommen bin. Macht es Sinn, den Kontakt aufrechtzuerhalten und vorsichtig zu agieren – oder soll ich ihn einfach mit der Tatsache konfrontieren?

Alles hinschmeißen und einfach abhauen? Das scheint die einfachste Lösung und vor allem für Menschen, die mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden sind, eine verlockende Fluchtfantasie zu sein. Trotzdem ist es wenig ratsam, mit einem Knall zu gehen und nichts als verbrannte Erde zu hinterlassen. Gerade wenn, wie bei Ihnen, bislang ein gutes Verhältnis zu dem Vorgesetzen bestanden hat und Sie im Großen und Ganzen im Unternehmen zufrieden waren.

Nun steht Ihnen die unangenehme Aufgabe bevor, ihn und Ihre Kollegen von dem bevorstehenden Arbeitgeberwechsel in Kenntnis zu setzen. Gehen Sie dabei in jedem Fall höflich und behutsam vor. Nicht nur zum Wohl der Zurückbleibenden, sondern auch für den eigenen Neuanfang, der am besten ohne schwerwiegende Altlasten beginnen sollte. Selbst wenn Ihnen nicht immer alles gepasst hat, machen Sie den Moment der Kündigung nicht zum Tag der großen Abrechnung. Das wäre alles andere als produktiv und wird Ihnen allerspätestens leid tun, wenn es um die Ausstellung Ihres Arbeitszeugnisses geht oder wenn Sie Ihren ehemaligen Arbeitgeber auf einem Branchentreffen wiedersehen.

Bitten Sie Ihren Chef also zunächst um ein Gespräch, in dem Sie ihm Ihren Weggang verkünden. Dabei ist großes Taktgefühl gepaart mit einer möglichst plausiblen Erklärung gefragt. Schließlich wird niemand gerne verlassen – weder in der Liebe noch im Job. Betonen Sie die guten Seiten des Unternehmens, das tolle Arbeitsklima und was Sie alles gelernt haben. Künftig sei es aber an der Zeit, nach vorne zu schauen, sich neuen Aufgaben zu stellen, die in dem anderen Unternehmen auf Sie warten. So werden eventuell auftauchende Rachegefühle seitens Ihres Chefs im Keim erstickt.

Bringen Sie Ihre schriftliche Kündigung nicht gleich mit, auch das könnte als Kränkung verstanden werden. Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber lieber mit, dass Sie die Kündigung am nächsten Tag in schriftlicher Form nachreichen werden.

Wenn Sie es schaffen, Ihr altes Arbeitsumfeld mit einem guten Gefühl für alle Beteiligten hinter sich zu lassen, behalten Sie wertvolle Kontakte, die Ihnen einmal hilfreich sein können.Foto: Promo

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