KARRIERE Frage : an Martina Perreng Arbeitsrechtlerin beim DGB

Gibt es Urlaub für 400-Euro-Jobber?

an Martina Perreng

Ich bin seit einem Jahr als Altenpflegerin in einem privaten Haushalt im Rahmen eines 400-Euro-Jobs beschäftigt. Nun war ich im vergangenen Monat zum ersten Mal für eine Woche krank. Zum Glück konnte ich eine Vertretung organisieren. Aber wie sieht es in einem solchen Fall mit der Bezahlung aus? Erhalte ich für diese Zeit keinen Lohn? Bisher habe ich auch noch nie Urlaub genommen. Habe ich eigentlich einen Anspruch auf Urlaub?

Ein 400-Euro-Job ist rechtlich gesehen eine ganz normale Teilzeitbeschäftigung. Die Besonderheiten dieses Arbeitsverhältnisses liegen lediglich in der steuerlichen sowie der beitragsrechtlichen „Privilegierung“.

Das heißt, bei Verzicht auf die Sozialversicherungsbeitragspflicht durch den Arbeitnehmer zahlt der Arbeitgeber pauschal Steuern- und Sozialversicherungsabgaben. Das hat zur Folge, dass diese Form der Beschäftigung für Arbeitnehmer erst einmal finanziell günstig ist.

Die Tatsache, dass es sich um ein Teilzeitbeschäftigungsverhältnis handelt, bedeutet, dass alle gesetzlichen Bestimmungen, die auf Arbeitsverhältnisse Anwendung finden, auch für geringfügig Beschäftigte gelten. Denn das Teilzeit- und Befristungsgesetz schreibt vor, dass Arbeitnehmer in Teilzeit wegen der Teilzeitbeschäftigung nicht schlechter behandelt werden dürfen als Vollzeitbeschäftigte. Das gilt insbesondere für die Pflicht zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und für den gesetzlichen Urlaubsanspruch. Beides steht Ihnen genauso wie allen anderen Arbeitnehmern zu.

Das bedeutet, dass die Woche, in der Sie wegen Krankheit nicht arbeiten konnten, trotzdem bezahlt werden muss. Ebenso haben Sie Anspruch auf bezahlten Urlaub entsprechend der Verteilung Ihrer Arbeitszeit auf bestimmte Wochentage. Wenn Sie an fünf Tagen in der Woche arbeiten, dann haben Sie Anspruch auf den gesetzlichen Urlaub von 20 Arbeitstagen im Jahr. Arbeiten Sie an weniger Tagen, verringert sich der Urlaub entsprechend.

Auch dann, wenn die Arbeit zum Beispiel wegen eines Wochenfeiertages wie Christi Himmelfahrt ausfällt, haben Sie Anspruch darauf, dass Ihnen dieser Tag bezahlt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich in Ihrem Arbeitsvertrag zu diesen Ansprüchen Angaben finden.

Da es sich hier um gesetzliche Ansprüche handelt, müssen sie nicht noch einmal ausdrücklich vertraglich vereinbart werden. Der Arbeitgeber ist „automatisch“ zur Erfüllung der Ansprüche verpflichtet.

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