KARRIERE Frage : An Anja Mengel < i>Fachanwältin für Arbeitsrecht

Was kann ich tun, wenn es zu laut ist?

An Anja Mengel

Ich arbeite in einem Großraumbüro mit zwölf Kollegen. Wir müssen alle relativ selten telefonieren, so dass sich der Geräuschpegel bisher in Grenzen hielt und man in entspannter Atmosphäre arbeiten konnte. Jetzt haben wir jedoch einen neuen Mitarbeiter bekommen, der oft und sehr laut privat telefoniert, so dass ich mich nicht konzentrieren kann. Kann ich dagegen etwas unternehmen? Sollte ich eventuell unseren Vorgesetzten einschalten?

Sicher haben Sie das Recht, gegen derartige Störungen Ihrer Arbeitsleistung durch rücksichtslose Kollegen etwas zu unternehmen. Zwar müssen Arbeitnehmer gewisse Beeinträchtigungen der Konzentration und damit der eigenen Arbeit durch andere Mitarbeiter hinnehmen, vor allem typische Störungen durch Geräusche in Großraumbüros. Wenn viele Kollegen zusammensitzen, ist eben ein höherer allgemeiner Geräuschpegel unvermeidbar und letztlich eine durch die Arbeitsorganisation des Arbeitgebers vorgegebene Rahmenbedingung für die Arbeitsleistung.

Erfahrungen zeigen auch, dass eine Gewöhnung an typische Geräusche möglich und die Beeinträchtigung der eigenen Arbeit dann reduziert wird. Untypische laute Geräuschentwicklungen jedoch oder sonstige Störungen durch andere Kollegen sind aber im Großraumbüro nicht unvermeidbar – und daher auch nicht hinzunehmen. Das gilt besonders dann, wenn sie auf unnötigen oder gar privaten Aktivitäten beruhen. Die Maßstäbe hängen sicher vom Einzelfall und gegebenenfalls auch von dem mehrheitlichen Empfinden der Mitarbeiter ab. In Ihrem Fall überschreitet der neue Kollege aber offensichtlich die Grenzen: erstens, weil das häufige private Telefonieren am Arbeitsplatz (während der Arbeitszeit) als solches bereits nicht erforderlich ist, im Zweifel sogar einen Pflichtverstoß gegenüber dem Arbeitgeber darstellt, und zweitens, weil das Telefonieren über Gebühr laut ist.

Allerdings ist es heikel, wenn Sie Ihren Vorgesetzten einschalten, weil Ihr Kollege möglicherweise pflichtwidrig viele Privattelefonate führt und der Vorgesetzte daher eventuell auch arbeitsrechtlich empfindliche Maßnahmen gegen Ihren Kollegen ergreift. Dies wird dieser Ihnen voraussichtlich nachtragen. Besser ist es daher sicher, den Kollegen zunächst direkt anzusprechen und um Mäßigung sowie Rücksichtnahme zu bitten. Ändert dies nichts, kann auch der Betriebsrat um Vermittlung gebeten werden. Die Einschaltung des Vorgesetzten wäre dann die letzte Eskalationsstufe. Foto: Promo

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