KARRIERE Frage : an Christoph Abeln < i>Fachanwalt für Arbeitsrecht

Gelten Pflegetage auch im Urlaub?

an Christoph Abeln

In den Herbstferien habe ich Urlaub genommen, um mit meinem zwölfjährigen Sohn zu verreisen. Jetzt ist er an einer schweren Grippe erkrankt und ich muss ihn rund um die Uhr pflegen. Kann ich diese Pflegetage bei meinem Arbeitgeber geltend machen und später noch einmal „richtigen“ Urlaub nehmen? Schließlich sollen die freien Tage ja der Erholung dienen. Oder sind die zwei Wochen Urlaub damit jetzt erloschen?

Wenn ein Arbeitnehmer während seines Urlaubs nachweislich erkrankt, dann gilt der Urlaub für diesen Zeitraum als nicht genommen und verfällt auch nicht.

Dies gilt aber nicht, wenn der Arbeitnehmer nicht selbst, sondern dessen Kind erkrankt, und er dieses Kind in seinem Urlaub pflegen muss. In einem Urteil aus dem Juni hat das Arbeitsgericht Berlin wiederholt deutlich gemacht, dass das Risiko urlaubsstörender Ereignisse einzig der Arbeitnehmer selbst zu tragen hat. Dazu gehöre auch die Erkrankung von Familienangehörigen.

Dieser Umstand sollte aber nicht dazu führen, dass sich der Arbeitnehmer „zur Rettung“ seiner freien Tage ohne tatsächlich krank zu sein, selbst krankschreiben lässt. Auch wenn er seine Arbeitsunfähigkeit durch ein ärztliches Attest nachweisen kann, ist ihm in der Regel damit nicht geholfen. Denn: Nicht nur den Arbeitgebern, auch den Arbeitsgerichten ist nicht unbekannt, dass gelegentlich „Gefälligkeitsattests“ erteilt werden. Sollte der Arbeitgeber also begründete Zweifel an dem Attest hegen, besteht für den Arbeitnehmer die Gefahr arbeitsrechtlicher Konsequenzen bis hin zur Kündigung seines Arbeitsverhältnisses.

Endet der Urlaub und benötigt das Kind weiter Pflege, so hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit zur Pflege des erkrankten Kindes. Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer nach ärztlichem Attest ein krankes Kind betreuen muss und die Betreuung durch eine andere im Haushalt lebende Person nicht möglich ist.

Der Freistellungszeitraum ist jedoch beschränkt und gilt in der Regel für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr. Pro Jahr können Ehepaare pro Elternteil bis zu zehn Tage pro Kind und maximal 25 Tage freigestellt werden. Alleinerziehende haben Anspruch auf 20 Tage pro Kind und maximal 50 Pflegetage. Das Gehalt wird bei nur kurzen Erkrankungen in der Regel bis zu fünf Pflegetage weiter gezahlt. Danach zahlt grundsätzlich die gesetzliche Krankenkasse für ihre Versicherten Kinderkrankengeld.

Will der Arbeitnehmer nun die Pflege im Urlaub ausgleichen und an den vermeintlich freien Tagen wirklich der Erholung dienende anhängen, muss er einen neuen Urlaubsantrag stellen.Foto: Promo

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben