KARRIERE Frage : an Jürgen Hesse < i>Büro für Berufsstrategie

Wie gelingt das Anschreiben?

an Jürgen Hesse

Ich bin auf Jobsuche und dabei, Bewerbungen zu schreiben. Dabei fällt es mir sehr schwer, passende Worte für den ersten Satz im Anschreiben zu finden und ich weiß auch inhaltlich nicht genau, was in diesem Satz stehen sollte, so dass er interessant klingt. Können Sie mir Tipps für einen pfiffigen Anfang geben?

Ihr Anspruch, schon im ersten Satz die passenden Worte zu finden, ist richtig. Wer etwa den Anfang eines Buches liest, will vom ersten Satz an gefesselt sein. Deshalb wird die Einleitung auch meist zuletzt geschrieben. Autor und Verlag feilen oft tagelang daran. Der erste Satz hat es in sich. Aber übertreiben Sie nicht. Allein davon hängt Ihr Erfolg nicht ab.

Personaler stehen unter Zeitdruck. Zur ersten Durchsicht Ihrer Bewerbungsmappe nehmen sie sich im Schnitt nur zwei Minuten Zeit. Sie starten in der Regel mit dem beruflichen Werdegang. Erst wenn der gefällt, ist das Anschreiben dran. Bemühen Sie sich also, vom ersten Satz an, den Personaler einzufangen – und so neugierig auf Ihre Person zu machen, dass er Sie kennenlernen will.

Dabei sind vor allem zwei Botschaften wichtig: Ihre Motivation und Ihr Nutzen für das Unternehmen. Das sollten Sie im Anschreiben, das auch Motivationsschreiben genannt wird, besonders herausstellen – gern schon im ersten Satz. Geben Sie Antwort darauf, warum Sie sich für diesen Job interessieren und was Sie leisten können. Welchen Bezug haben Sie zur Firma oder der Stelle?

Generell sollten Sie im Anschreiben versuchen, möglichst viele Anknüpfungspunkte zu der Firma zu finden. Mit einem 08/15-Standard-Einleitungsatz wie „Hiermit beziehe ich mich auf Ihre Anzeige vom...“, werden Sie nicht beeindrucken. Vorher anzurufen und sich im ersten Absatz Ihres Anschreibens auf das Telefonat zu beziehen, ist schon eleganter – sofern Sie den zuständigen Ansprechpartner an den Apparat bekommen.

Ein gelungener Einstieg erzeugt Spannung, weckt Interesse, vermittelt Freundlichkeit und lässt Sympathie aufkommen. Vielleicht bietet es sich an, Ihr Anschreiben mal mit einem passenden Zitat zu beginnen, einem griffigen Motto, einem gekonnten Wortspiel oder einer Offenbarung wie: „Ich liebe Ihre Produkte“. Sie können den Slogan Ihres Wunschunternehmens im ersten Satz aufgreifen. Oder Sie nehmen direkt Bezug auf einen der Aspekte in der Stellenausschreibung, nach dem Motto: „Sie suchen einen kreativen Kopf als Leiter Ihrer Marketingabteilung? Nehmen Sie meinen!“

Doch bei aller Kreativität: Haben Sie im Blick, für welche Stelle Sie sich bewerben. Der erste Satz im Anschreiben hängt auch davon ab, ob Sie als Jurist oder Designer eine Stelle suchen. Foto: Promo

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