Karriere im Internet : Und täglich grüßt das Netz

Bei der beruflichen Kontaktpflege via Internet denkt man zunächst an Xing und Linked In. Tatsächlich lassen sich auch Facebook oder Twitter für die Selbstvermarktung nutzen.

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Post vom Frühstückstisch. Auch persönliche Nachrichten können der Karriere dienen.
Post vom Frühstückstisch. Auch persönliche Nachrichten können der Karriere dienen.Foto: Monkey Business Fotolia

Fast neun Millionen Deutsche haben inzwischen ein Profil beim Online-Karriereportal Xing. Sie akquirieren als Selbstständige Aufträge oder vernetzen sich mit Menschen mit ähnlichen Interessen. Viele von ihnen nutzen Xing auch zur Jobsuche, zum Beispiel über den internen Stellenmarkt.

Zu den populärsten Karrierenetzwerken zählen in Deutschland Xing, Linked In, Google+ und auch Facebook. Viele Nutzer der Plattformen würden auf die digitale Möglichkeit, sich dort zu vernetzen und für sich zu werben, nicht mehr verzichten wollen. Nach einer Studie der Tüv Nord Gruppe und dem Statistikportal Statista im Auftrag von Hubert Burda Media von 2014 möchten 13 Prozent der Xing-Nutzer ihren Account für die berufliche Entwicklung nicht mehr missen, fast jeder zehnte Linked In-Nutzer sieht das genauso, bei Google+ sind es 6 Prozent, bei Facebook immerhin 5 Prozent der Nutzer.

Auch Frank Bärmann, Social Media-Experte und Autor des Buches „Xing – Erfolgreich netzwerken im Beruf“, hält die Plattformen für beruflich sehr wichtig. „Für die Jobsuche und das Marketing als Selbstständiger in Deutschland eignet sich Xing am besten“, sagt er. „Linked In ist dagegen für alle interessant, die international agieren“, erklärt er.

Unternehmen posten bei Facebook Stellen

Auf Facebook wiederum pflegen die meisten Menschen in erster Linie private Kontakte. Dennoch ist das Netzwerk auch für den Beruf durchaus relevant. „Für Jobsuchende können die Karriereseiten großer Unternehmen interessant sein“, sagt Frank Bärmann. Dort werden auch offene Stellen gepostet. Wer dem Wunschunternehmen auf Facebook folgt, verpasst keine Neuigkeit und kann so möglicherweise bei einem späteren Vorstellungsgespräch punkten.

Karriereexpertin Svenja Hofert sieht soziale Netzwerke im Internet als eine Möglichkeit, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. In der Trainer-Szene, unter Buchautoren und Journalisten sei es üblich, auch über Facebook auf Veranstaltungen oder Veröffentlichungen hinzuweisen.

Darüber hinaus seien dort durchaus auch private Einträge und Bilder erlaubt. Sie können sogar Teil einer PR-Strategie sein. Wer regelmäßig seine Kochkünste oder Urlaubsfotos teile oder ein Thema emotional kommentiere, werde nahbarer und verstärke so die Bindung zu seinen Netz-Kontakten. „Das ist allerdings eine Typfrage und darf nicht zu platt rüberkommen, weil man sonst Professionalität einbüßt“, sagt Hofert. Menschen, die stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen, legen sich oft zwei Facebook-Profile zu: eins fürs Private und eins fürs Berufliche.

Ein Online-Profil muss langfristig gepflegt werden

Das Netzwerk der Wahl in beruflichen Angelegenheiten ist auch für Svenja Hofert in Deutschland Xing. Sie warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen an kurzfristige Erfolge: „Ein Netzwerk muss über längere Zeit gepflegt werden, damit es trägt.“ Kurze E-Mails, Nachrichten oder Anrufe halten den Kontakt lebendig. Kurzfristige Aktionen wie zehn wahllose Kontaktanfragen pro Tag bringen ihrer Erfahrung nach wenig, denn sie werden ihrer Erfahrung nach in der Regel ignoriert.

Kernelement der Selbstpräsentation auf Xing ist das eigene Profil. Es sollte im Hinblick auf Lebenslauf und Kenntnisse aktuell sein – und immer den Angaben eventueller Bewerbungen entsprechen. Wie gut es gefunden wird, lässt sich leicht anhand der Suche und der Leitfrage „Was würde ich eingeben, um mich selbst zu finden?“ herausfinden. Darauf sollten die Keywords abgestimmt sein.

Für ein professionelles Profil ist auch ein gutes Foto im Stil eines Bewerbungsfotos wichtig. Frank Bärmann macht sich für seine Vorträge oft den Spaß, Negativbeispiele aus dem Netz zu fischen. „Urlaubsaufnahmen oder eingescannte Passfotos gehen gar nicht, zumal die Fotos bei Xing seit einigen Monaten größer angezeigt werden und eine schlechte Auflösung umso mehr auffällt.“

Wie wichtig es ist, sich professionell darzustellen, zeigt auch eine Zahl: Laut einer Forsa-Umfrage greifen 62 Prozent der Personalberater auf Xing zurück um Führungs-, Fach- und Nachwuchskräfte zu kontaktieren.

Neben der Präsentation des Profils bietet die Plattform weitere Dienstleistungen für berufliches Netzwerken: „Im integrierten Stellenmarkt können Mitglieder nicht nur nach Jobs suchen, die zu ihrer Qualifikation, Position oder ihrem Wohnort passen, sondern auch gezielt nach Anzeigen von Unternehmen Ausschau halten, die etwa familienfreundliche Bedingungen bieten“, erklärt Xing-AG-Sprecherin Yee Wah Tsoi. Möglich wird dies durch Daten, die aus einer anderen Quelle kommen: Die Infos, die Arbeitnehmer zu ihren Arbeitgebern auf der Xing-Tochter, der Plattform Kununu, abgeben, werden für Xing genutzt.

Wer bei Xing Mitglied ist, kann sich mit Gleichgesinnten in Gruppen austauschen. Als Premium-Mitglied erfährt man auch, wer sich das eigene Profil angesehen hat und durch was derjenige darauf aufmerksam geworden ist. Außerdem findet man schneller relevante Kontakte.

Keine standardisierten Nachrichten, bitte!

Nutzern, die mit Personalverantwortlichen oder möglichen Auftraggebern in Kontakt treten möchten, rät Frank Bärmann von einer standardisierten Nachricht wie „Bitte treten Sie meinem Netzwerk bei“ ab. „Es sollte sichtbar werden, dass ich mich mit dem Profil des anderen beschäftigt habe. So könnte ich zum Beispiel Bezug auf Gemeinsamkeiten nehmen wie das gemeinsame Studienfach.“

Sebastian Dramburg, Anwalt für Medienrecht, rät, die Datenschutzregelungen sozialer Netzwerke genau zu studieren, bevor man ein Profil anlegt, und sorgfältig abzuwägen, was man mit der Öffentlichkeit teilt. Wenn die Jobsuche dem aktuellen Arbeitgeber verborgen bleiben soll, sind die Privatsphäre-Einstellungen entsprechend anzupassen.

Ist man heute außen vor, wenn man nicht in sozialen Netzwerken präsent ist? „Die Netzwerke machen es wesentlich einfacher, von Kunden und Auftraggebern gefunden zu werden“, sagt Frank Bärmann. Social Media sei kein Trend mehr, sondern fester Bestandteil des Marketings – in jeder Branche.

Es ist schwierig, sich dieser Entwicklung zu verschließen, sagt auch Svenja Hofert. Sie kann sich wenige Bereiche vorstellen, in denen es nicht wichtig ist, sich auch digital zu vernetzen. Soziale Netzwerke seien eine Art persönliche Kapitalanlage, die gepflegt werden wolle.

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