Karriere : Abschluss mit Anschluss

Welche Weiterbildungs-Zertifikate in Beruf und Studium zählen

Christian Schultz (dpa)

Lebenslanges Lernen und fortwährende Spezialisierung – das sind wichtige Schlagworte der heutigen Berufswelt. Um sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen, ist es mit einem Studienabschluss oder einer Ausbildung längst nicht mehr getan. Allerdings ist der Markt für Weiterbildungen schwer zu überblicken: Es tummeln sich viele Anbieter, und die Palette reicht von Qigong-Kursen für Mediziner bis hin zu Hochschulzertifikaten für Theaterpädagogik.

Für Meike Häußer vom Service-Center Weiterbildung an der Berliner Humboldt-Universität dienen Zertifikatsstudien der Profilbildung. „Unser Angebot richtet sich an Leute, die am Berufsanfang stehen“, erklärt sie. „Es soll sowohl diejenigen ansprechen, die ihre berufliche Zukunft noch nicht genau vor Augen haben, als auch jene unterstützen, die bereits konkrete Vorstellungen besitzen.“

Angeboten werden an der Humboldt-Universität etwa Kurse über Grundkenntnisse in deutschem Recht, zur internationalen Entwicklungszusammenarbeit sowie der staatlich anerkannte Ausbildungsgang „Psychologische Psychotherapie“. Im Dickicht der Anbieter sieht Häußer die renommierten Hochschulen im Vorteil: „Sie haben einen Vertrauensbonus, da sie vielen Menschen vom Namen her oder durch eigene Studienerfahrungen bekannt sind.“

Auch Walburga Freitag vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover weiß, wie schwer der Markt zu überblicken ist: „Die Weiterbildung ist in Deutschland sehr ungeregelt.“ Schwierig sei die Frage, wie sich erkennen lässt, auf welchem Niveau eine Fortbildung liegt. Wichtig sei auch die Frage der Anerkennung – besonders dann, wenn die Leistung im Studium anerkannt werden soll. So bieten manche Hochschulen Studiengänge an, deren Absolventen zunächst ein Zertifikat als Abschluss erhalten. Wer später bis zum Master weiterstudiert, bekommt die Zeit angerechnet.

Für Alexander Spermann wird es immer wichtiger, sich auf dem Arbeitsmarkt von Mitbewerbern abzuheben. Er kümmert sich beim Personaldienstleister Randstad in Eschborn um die Fortbildung von Zeitarbeitern. „Ich kann nur dringend raten, auf eine Ausbildung etwas draufzusetzen. Damit gebe ich das Signal: Ich bin interessiert und lernbegierig.“ Selbst ein Examen sei ohne Ergänzung nach zwei Jahren kaum mehr etwas wert. Wichtig ist nach Meinung Spermanns nicht nur, sich regelmäßig fortzubilden. „Die Mischung aus Qualität und Quantität macht es aus.“ Das Problem sei jedoch, dass es viele Anbieter, aber keinen Filter für schlechte Angebote gebe.

Einen guten Ruf bei Weiterbildungen außerhalb der Hochschulen genießen laut Spermann die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien sowie die Industrie- und Handelskammern. Zudem böten die Zertifizierungen der Bundesagentur für Arbeit eine Orientierung. „Das sind Anbieter, die gehen in die richtige Richtung.“

Besondere Regeln gelten für Ärzte: Gemäß ihrer Berufsordnung sind sie verpflichtet, sich fortzubilden. Seit 2004 ist gesetzlich festgelegt, dass niedergelassene Ärzte der kassenärztlichen Vereinigung einen Fortbildungsnachweis vorlegen müssen – in Form eines Zertifikats. Passende Angebote werden von den Landesärztekammern ausgezeichnet. „Es war uns wichtig, dass die Ärzte nicht in eine Falle tappen, viel Zeit für Fortbildungen aufwenden, die dann nicht anerkannt werden“, erläutert Justina Engelbrecht von der Bundesärztekammer in Berlin.

Die Bedeutung von Zertifikaten variiert von Branche zu Branche. Im Maschinenbau, der Metall- und Elektroindustrie sowie der Chemie spielten sie eine untergeordnete Rolle, sagt Spermann – auch, weil es dort viel innerbetriebliche Fortbildung gebe. „Im Dienstleistungsbereich sieht das anders aus.“ Entscheidend für den Erfolg eines Arbeitnehmers ist für Spermann eine Mischung aus guten Arbeitsproben, Zeugnissen und Zertifikaten. Ein Allheilmittel seien Weiterbildungen nicht: „Wenn die Bewerbung in katastrophalem Zustand ist, hilft auch ein Zertifikat nichts.“Christian Schultz (dpa)

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