Karriere : Ältere Mitarbeiter sind reifer und routinierter

Marion Hartig

Mit dem Aufschwung kommen neue Jobs. Das heißt für Unternehmen, dass sie sich Gedanken darüber machen müssen, wie sie kompetente Mitarbeiter gewinnen. „Da die jüngeren Arbeitnehmer aber knapp werden, müssen sie in Zukunft auch verstärkt auf die älteren setzen“, meint Pieter Schrijner von der RayCon Consulting Group. Am Mittwochabend stellte der Berater seine These beim Treffpunkt Personal des Tagesspiegels im Kunstforum der Berliner Volksbank vor. Im Publikum saßen rund 70 Gäste aus der Berliner Wirtschaft.

Unter dem Titel „Employee Branding und die demografische Zeitbombe“ forderte Schrijner in seinem Vortrag, die alternde Gesellschaft nicht als Nachteil zu sehen, sondern sich neu zu besinnen und die Chance darin zu erkennen. Gerade bei den Fach- und Führungskräften sei es sinnvoll, auf ältere Mitarbeiter zurückzugreifen. Diese hätten reichlich Erfahrungen, Reife, Routine und soziale Kompetenzen. Ihrem Arbeitgeber gegenüber sind sie gewöhnlich sehr loyal, sagte Schrijner. Außerdem würden sie nicht, wie oft behauptet, schlechter lernen als Jüngere. „Sie lernen nur Sinnloses eher schlecht“, meinte der Berater. Die „kristallisierte Intelligenz“, also jene Fähigkeit zur Lösung vertrauter, kognitiver Probleme, könne sogar bis über das sechzigste Lebensjahr hinaus wachsen. Die Schlussfolgerung liegt für Schrijner auf der Hand: „Unternehmen brauchen eine altersneutrale Personalpolitik“, sagt er. Denn es gehe darum, die wachsende Anzahl von Arbeitsplätzen, Positionen und Arbeitsaufgaben nach Kompetenzen zu verteilen – und nicht nach Alter.

Der Treffpunkt Personal ist eine Veranstaltung des Tagesspiegels. Einmal im Jahr kommen Personalleiter und Geschäftsführer von Berliner Unternehmen zu einem Branchentreff zusammen. Neben dem aktuellen Fachvortrag eines hochkarätigen Referenten steht auch Kultur auf dem Programm. Im Kunstforum der Berliner Volksbank führte die Direktorin des Brücke Museums Magdalena Möller durch die Ausstellung „Karl Schmidt-Rotluff: Formen und Farbe“.

Marion Hartig

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