Karriere : An einem Strang ziehen

Ehrenamtlich coachen: Paten unterstützen Arbeitssuchende dabei, einen Job zu finden

Thomas Meyer weiß, was es heißt, wenn die Ausbildungsplätze knapp sind. Als er selbst in den 70er Jahren eine Lehrstelle suchte, gab es Erwachsene, die ihn dabei unterstützten. Mittlerweile ist der 48-jährige Oldenburger seit fast zwei Jahrzehnten selbstständiger EDV-Dienstleister. Seit vier Jahren arbeitet er als Coach. Außerdem engagiert er sich ehrenamtlich für lehrstellensuchende Hauptschüler.

In dem Projekt „JobPate“ der Stadt Oldenburg begleiten berufserfahrene Erwachsene junge Hauptschüler auf ihrem Weg in die Arbeitswelt.

Jobpaten gibt es in zahlreichen Städten Deutschlands. Die Ehrenamtlichen unterstützen diejenigen, die es auf dem Arbeitsmarkt am schwersten haben: Hauptschüler, Langzeitarbeitslose, Migranten und Menschen mit Handicap. Viele Paten sind Fach- und Führungskräfte. Allein der Verein „Arbeit durch Management/Patenmodell“ mit Sitz in Berlin verfügt bundesweit über ein Netzwerk von mehr als 400 ehrenamtlichen Beratern.

„Mit 13, 14 Jahren haben die Hauptschüler bereits in ihren Köpfen, dass sie keine Chance haben“, bedauert Meyer. Dass Hauptschüler in unserer Gesellschaft derart schlechte Berufsaussichten haben, ist für ihn nicht akzeptabel.

In Kooperation mit vier Schulen der Stadt führt das Jobpaten-Projekt in Oldenburg interessierte Hauptschüler mit berufserfahrenen Unterstützern zusammen. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Meyer. „Es ist nicht unsere Aufgabe, den Jugendlichen an die Hand zu nehmen und mit ihm in den Praktikumbetrieb zu gehen.“ Die Unterstützung richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen der jungen Menschen.

„Viele Hauptschüler haben kaum eine Vorstellung davon, wie breit das Spektrum der Ausbildungsberufe ist“, sagt Monika Engelmann-Bölts von der städtischen „Agentur:ehrensache“, die das Projekt koordiniert. „Fragt man die Mädchen, wollen sie Friseurin werden, die Jungen KfZ-Mechaniker.“ Die Jobpaten erarbeiten mit ihren Schützlingen berufliche Ziele, gehen mit ihnen ins Berufsinformationszentrum oder können ihnen dank ihrer Kontakte sogar einen Betrieb von innen zeigen. So eröffnen sich neue Perspektiven. Wenn der Jugendliche in seiner Ausbildung Fuß gefasst hat, soll die Begleitung durch den Paten enden.

Auch Udo Becker fand bei der Suche nach einem neuen Job Unterstützung bei einem ehrenamtlichen Coach. Fast zwei Jahre war der 43-jährige Erfurter zuvor arbeitslos. Er habe Bewerbungen „ohne Ende“ geschrieben, erzählt er. Mit Unterstützung eines Paten von der Initiative „Arbeit durch Management/Patenmodell“ fand Becker, der im Bereich Elektroinstallation arbeitet, eine befristete Stelle. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn mal ein anderer auf den Lebenslauf schaut“, sagt Udo Becker. Sein Pate hatte ein offenes Ohr und Zeit zum Zuhören.

„Die emotionale Unterstützung durch den Paten spielt eine wichtige Rolle“, erklärt Jutta Anna Kleber von der Bundesgeschäftsstelle der Initiative in Berlin. Eine der Folgen von Arbeitslosigkeit sei die Sprachlosigkeit. Während die Suche nach einem Job das Denken der Betroffenen bestimmt, finden sie im Familien- und Freundeskreis irgendwann kaum noch Gehör. „Der Jobpate nimmt sich Zeit“, sagt Kleber.

Unterstützung erhält das Projekt Patenmodell auch von Unternehmensseite. Einige Firmen stellen Führungskräfte stundenweise frei. Ehrenamtlich entwickeln sie etwa Instrumente, die für eine optimale Unterstützung der Arbeitssuchenden hilfreich sind. „Jobpate und Arbeitssuchender erstellen gemeinsam einen Integrationsplan mit einer Zielvereinbarung“, erklärt Projektleiterin Kleber. Er kann verschiedene Elemente enthalten – von der Stellenrecherche bis zur beruflichen Neuorientierung. „Diesen Plan abzuarbeiten, gibt Arbeitssuchenden bereits neues Selbstvertrauen.“

Die Idee „Jobpaten“ stammt aus Holland. Mit Unterstützung verschiedener Kooperationspartner wurde sie ab 1999 auf die strukturschwachen Bundesländer in Ostdeutschland übertragen. In der Regel begleitet ein Pate jeweils einen Arbeitssuchenden. Durch Austausch untereinander und Schulungen werden die Paten durch die einzelnen Initiativen vor Ort unterstützt. Der Erfolg des Modells beruht vor allem auf den persönlichen Kontakten der ehrenamtlichen Helfer.

Wenn sein befristeter Arbeitsvertrag ausgelaufen ist, möchte auch Udo Becker wieder mit seinem Paten zusammenarbeiten. Dann, so hofft er, soll es mit einer Festanstellung klappen. dpa/Tsp

Informationen: Arbeit durch Management/Patenmodell, Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Paulsenstraße 55/56, 12163 Berlin (Tel.: 030/68 08 85 11), Internet: www.patenmodell.de

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