Animateure : Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Im Sommer haben Animateure viel zu tun. Interessenten können noch Last-Minute-Seminare buchen.

Christian Schnohr
Animateur
Immer in Action. Animateure müssen den Urlaubern ein perfektes Programm bieten. -Foto: ddp

Animateure führen ein scheinbar sorgenfreies Leben: Wochenlang nichts als Sommer, Sonne, Strand – und fürs Spaßmachen werden sie sogar bezahlt. Erholen können sie sich im Urlaub dagegen nicht. Ob als Organisatoren von Poolspielen, stressresistente Kinderbetreuer oder als Entertainer auf der Showbühne – Animateure sind in Clubs und Hotels allgegenwärtig. Meist müssen sie alle Facetten des Jobs beherrschen. Und selbst nach Feierabend noch mit den Gästen an der Bar plaudern. Ein Knochenjob, der selten gut bezahlt wird. Doch der Aufwand kann sich gerade für Abiturienten und Studenten lohnen: Wer neben dem Studium Berufserfahrung als Animateur gesammelt hat, kann eine Karriere bei großen Tourismuskonzernen wie Tui oder Thomas Cook anschließen.

Um den Einstieg in den Job zu schaffen, bieten Bildungsträger und Veranstalter Theorie- und Praxisseminare an. Rainbow Tours Jugendreisen zum Beispiel bietet im Oktober für 190 Euro ein viertägiges Seminar für angehende Animateure an. Kenntnisse in Reiserecht, Rhetorik und Gästeführung werden vermittelt, die Anreise ab Hamburg oder Berlin ist inklusive. Allerdings müssen drei Auslandsreisen bei Rainbow Tours als Praktika absolviert werden. Beim Konkurrenz-Veranstalter Ruf Jugendreisen, der nach eigenen Angaben jeden Sommer 2000 Jobs zu vergeben hat, können Interessenten nach einem Praktikum eine Prüfung als Fachreiseleiter beim Euro-Business-College in Bielefeld ablegen. Dafür müssen sie jedoch nur einen Tag lang die Schulbank drücken. Bundesweit anerkannt sind die Zertifikate nicht.

Etwas gründlicher sind die Fortbildungen auf Sommercamps für Reiseleitung oder Animation vom Anbieter EPS in Bonn. „Bis Mitte Juli nehmen wir noch Anmeldungen für unsere zwölftägigen Animationscamps entgegen“, so Marc Giffhorn, Leiter für Tourismus und Gesellschafter von EPS. Maximal 20 Interessenten können teilnehmen. Angesprochen werden vor allem 16 bis 25-Jährige, die eine berufliche Perspektive im Tourismusbereich anstreben. Auf dem Stundenplan stehen Theorie- und Praxisübungen: „Neben Sport, Spiel und Spaß müssen Animateure auch Reklamationen entgegen nehmen und Stadtführungen anbieten.“ Auch Anmoderationen, Tanzschritte und rechtliche Fragen gehören zum Lehrgang. Der Kurs kostet 249 Euro, ein bundesweit anerkanntes Zertifikat der Industrie- und Handelskammer (IHK) noch einmal 150 Euro. Dafür muss man eine vierstündige Klausur am Ende des Seminars bestehen.

Wer mehr Zeit hat, könnte sich berufsbegleitend oder über sechs Monate in Vollzeitunterricht zum IHK-geprüften Reiseleiter ausbilden lassen. Für diesen Lehrgang werden auch Bildungsgutscheine vom Arbeitsamt akzeptiert. Ältere Interessenten sind erwünscht: „Wir haben in den laufenden Kursen zwei Teilnehmer, die über 50 sind“, so Giffhorn. „Gerade im wachsenden Bereich der Seniorenreisen können die beiden später gute Jobs finden.“

Ein bundesweit anerkannter Abschluss hat Vorteile: Mit IHK-Zertifikaten belegen die Teilnehmer, dass sie über Basiskenntnisse verfügen und verschiedene Unterhaltungs-Programme für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren kennen. Zum IHK-Abschluss führen nicht nur private Lehrgänge, sondern auch Seminare der Industrie- und Handelskammer selbst: Die IHK Potsdam bildet zum Beispiel gemeinsam mit der Europäischen Sportakademie Brandenburg (Esab) zum „Animateur für Sport, Freizeit und Tourismus“ aus. Der zweiwöchige Kurs umfasst 80 Unterrichtsstunden und richtet sich an Abiturienten, Studenten, Arbeitssuchende und Mitarbeiter von Hotels und Erlebnisparks. „Wir fangen hier nicht im Urschleim an“, sagt Projektleiter Sven Fischer. Berufserfahrungen in der Tourismusbranche sollten bei der Bewerbung nachgewiesen werden.

Für die Prüfung müssen die Teilnehmer vor einer Kommission eine Fallstudie bearbeiten. „Wir stellen kleine Aufgaben: Die Prüflinge überlegen sich zum Beispiel, wie sie ein gemischtes Publikum von 25 bis 50 einen Nachmittag lang auf einer Kreuzfahrt unterhalten können.“ Mit einer Gebühr von 800 Euro ist der Workshop nicht gerade preiswert. Vielleicht erklärt sich damit auch das bislang geringe Interesse: Lediglich drei Interessenten stehen auf der Warteliste. Der Lehrgang startet jedoch erst, wenn sich mindestens 12 Teilnehmer angemeldet haben.

Wer mit einem Last-Minute-Kurs noch in dieser Sommersaison einen Job ergattern möchte, kommt bei den großen Unternehmen zu spät: Tui und Co. haben ihre Mitarbeiter bereits im Frühjahr ausgewählt. Dafür suchen kleinere Firmen noch händeringend nach Spaßmachern. Über die Internetseite der Bundesagentur für Arbeit lassen sich einige offene Stellen finden, wie beispielsweise vom Unternehmen Happy Family. Die Firma sucht pro Saison 150 Mitarbeiter für ihre Anlagen in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich. „Wir sind momentan in der heißen Phase der Suche“, so Animationschef Peter Schönwalder. „Bei uns gibt es keine Deadline für Bewerbungen.“ Neben Berufserfahrungen als Animateur sollten die Bewerber auch Kenntnisse im pädagogischen Bereich mitbringen. Je nach Vorbildung gestaltet sich die anschließende Einarbeitung, die Teilnahme an einem Lern-Wochenende in Köln oder Berlin ist Pflicht – ob mit oder ohne IHK-Zertifikat in der Tasche.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben