Karriere : Arbeit gesucht

Wer schlechte Noten hat, muss auf die Wartebank

Christian Schnohr

Es ist verzwickt: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende August noch 73 600 Ausbildungsstellen in Deutschland unbesetzt. Gleichzeitig habe es jedoch 128 800 unversorgte Lehrstellenbewerber gegeben. Wenn die schulischen Leistungen nicht ausreichen, um einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden, sollte man nicht aufgeben: „Wichtig ist es, die Zeit bis zum nächsten Ausbildungsstart sinnvoll zu nutzen“, sagt Olaf Möller von der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. „Im Idealfall kann man in dem gewünschten Ausbildungsberuf erste Erfahrungen sammeln und so seine Chancen für das nächste Jahr erhöhen.“

Eine Möglichkeit sind die Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Sie sollen Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ermöglichen. Zu Beginn durchlaufen die Jugendlichen eine so genannte Eignungsanalyse. Dabei arbeitet der Berufsberater deren persönlichen Stärken und Schwächen heraus. Anschließend vermittelt er sie an Bildungseinrichtungen, an denen Sozialverhalten oder Bewerbungssituationen trainiert werden – je nachdem, wo es am meisten hapert.

Für benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene kommt die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) in Frage. BaE sind staatlich finanzierte Ausbildungsstellen, die in Ausbildungszentren angeboten werden. In Berlin übernimmt das zum Beispiel die Helmut Ziegler Berufsbildung gGmbH. In einer meist dreijährigen Ausbildung werden handwerkliche Lehrgänge zum Tischler, Glaser sowie Schilder- und Lichtreklamehersteller angeboten. Exkursionen und Praktika sind in die Ausbildung integriert, außerdem findet ein praxisbezogener Werkstattbetrieb statt. Die Teilnehmer werden zudem sozialpädagogisch begleitet und nach der Gesellenprüfung auf dem Weg in den Arbeitsmarkt betreut. Neben den praktischen Phasen findet Berufsschulunterricht an den Oberstufenzentren statt.

Wer trotz Nachvermittlung leer ausgegangen ist, kann so genannte Einstiegsqualifizierungen nutzen. Dabei handelt es sich um Praktika für Jugendliche ohne regulären Ausbildungsplatz. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Schulabgänger mit schlechten oder fehlenden Abschlüssen. „Die Einstiegsqualifizierung ist eine Art Testphase für Betriebe und Bewerber“, erklärt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Die Maßnahme dauert sechs bis maximal 12 Monate. „Diese Zeit kann auf die Ausbildung angerechnet werden.“ Der Übergang in eine Lehrstelle oder feste Beschäftigung ist jederzeit möglich. Außerdem sind die Teilnehmer seit diesem Jahr verpflichtet, eine Berufsschule zu besuchen – wie Azubis, die in einem Betrieb arbeiten.

Während des Praktikums erhalten die Teilnehmer in der Regel einen monatlichen Lohn von 192 Euro. Darüber hinaus zahlen die Unternehmen Sozialabgaben in Höhe von rund 102 Euro. Einstiegsqualifizierungen gibt es in den Bereichen Bau, Wirtschaft und Verwaltung, Handel, Gastgewerbe Speisenvorbereitung, Gastgewerbe Service, Lagerlogistik, Metall, Textil, Druck und Elektro. Weitere Angebote werden gerade entwickelt.

Wie auch bei der Wahl des Ausbildungsplatzes ist bei der Einstiegsqualifizierung wichtig, dass sich die Jugendlichen flexibel zeigen: Wer sich partout nicht von seinem Berufswunsch lösen kann, gehe auch in diesem Fall unter Umständen leer aus, meint der Ausbildungsexperte vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag, Thilo Pahl. Dabei sei die Einstiegsqualifizierung eine große Chance. „Rund zwei Drittel der Teilnehmer bekommen auf diese Weise noch einen regulären Ausbildungsplatz“, sagt Thilo Pahl. „Das ist eine sehr hohe Quote.“ Christian Schnohr

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