Arbeitgeber aus Fernost : Bewerbung an Herrn Zeng

Alle Welt blickt nach China. Dabei investieren chinesische Unternehmen auch in Berlin. Sie hoffen auf Know-how und gute Absatzchancen – und erwarten maximalen Einsatz für die Firma.

Miriam Schröder

Wenn die Mitarbeiter der Firma Welz mit ihrem Chef sprechen wollen, können sie nicht einfach so drauf los reden. Zuerst müssen sie sich an einen Dolmetscher wenden. Der übersetzt ihr Anliegen für Jiang Zi Qiang ins Chinesische.

Das Unternehmen Welz im brandenburgischen Rathenow ist der deutsche Marktführer für kleine Druckgasflaschen. Im Jahr 2003 stand die Firma noch kurz vor der Insolvenz, als Welz von der Huapeng Trading GmbH übernommen wurde, einer Tochtergesellschaft von Jiangs Unternehmen Huasheng Enterprises in Shanghai. Die Chinesen haben kräftig investiert und das marode Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen gebracht.

Auch der Maschinenbauer Schiess in Aschersleben hat einen neuen, chinesischen Besitzer, genau so wie der Nähmaschinenhersteller Dürkopp Adler in Bielefeld. Allein in Berlin haben sich schon 60 bis 70 chinesische Firmen angesiedelt. Denn das aufstrebende China zieht nicht nur Arbeitsplätze aus den Industrieländern von gestern ab. Während deutsche Unternehmen nach Asien schauen, kaufen oder gründen Chinesen immer mehr Firmen in Deutschland – und tragen so dazu bei, dass hierzulande Jobs erhalten bleiben oder neu geschaffen werden.

„Die Chinesen kommen hierher, weil sie nach bestehenden Vertriebskanälen für ihre Produkte suchen oder vom technischen Know-how deutscher Firmen profitieren wollen“, sagt Roald Koch, der bei Berlin Partner zuständig ist für die Ansiedlung von ausländischen Unternehmen in Berlin.

Vor wenigen Wochen erst sind sie auf dem Flughafen in Parchim, das liegt zwischen Hamburg und Berlin, gelandet. Beim Entladen der ersten Frachtmaschine gab es zwar leichte Schwierigkeiten. Investor Pang Yuliang, chinesischer Millionär und Inhaber des Unternehmens Link Global Logistics, lässt sich aber nicht entmutigen bei seinem Vorhaben, in Parchim ein Frachtdrehkreuz für Importe aus China aufzubauen.

Für die Region ist es ein Glücksfall: Wenn der Plan aufgeht, könnte die Übernahme des Flugplatzes durch die Chinesen mehr als 1000 Arbeitsplätze bringen. Gebraucht werden Flughafenpersonal, Produktionsarbeiter und Lastwagenfahrer, die chinesische Produkte ausliefern sollen. Angst, dass sie erst einmal Chinesisch lernen müssten, brauchen potentielle Bewerber nicht zu haben. Das Flughafenmanagement werden nach wie vor deutsche Mitarbeiter betreiben.

Doch auch dort, wo Chinesen den Laden führen, sind Sprachkenntnisse nicht das erste Einstellungskriterium. „Ich stelle deutsche Mitarbeiter ein, weil sie etwas von Finanzen verstehen und gute Kenntnisse auf dem hiesigen Markt haben“, sagt Yang Yi, der am Ku’damm ein kleines Handelsunternehmen betreibt. Die D&H Handels & Touristik GmbH importiert und vertreibt hauptsächlich Mode und Schmuck aus China. Deutsche Mitarbeiter könnten leichter Kontakte zu deutschen Kunden knüpfen, sagt er, das sei „eine Charakterfrage“. Um die Einkaufsgeschäfte mit China kümmert sich der Chef aber lieber selbst. „Da braucht man jahrelange Erfahrung“, sagt Yang. Nicht nur in der Sprache, sondern auch im persönlichen Umgang mit den Partnern.

„Die Deutschen können oft nicht verstehen, wie die Chinesen sich verhalten“, sagt Wen Zhao-Limburg. Die Chinesin hat jahrelang in China und später auch in großen, deutschen Unternehmen gearbeitet, bevor sie die Unternehmensberatung „China in Touch“ gründete. Dort erklärt sie den Deutschen, wie die chinesische Wirtschaft funktioniert.

Ihre wichtigste Lektion: In China läuft nichts ohne Beziehungen. „Guanxi“ nennt man dieses Prinzip auf chinesisch, die erste Silbe bedeutet „zumachen“, die zweite „verbinden“. „Ohne Guanxi kommt man in chinesischen Unternehmen nicht weit“, sagt Zhao.

Chinesen gingen nach Feierabend oft noch miteinander aus, redeten dabei auch über private Probleme.„Die Deutschen sagen nach Feierabend Tschüss und das war’s.“ Eine chinesische Firma sei oftmals „wie eine Großfamilie“, sagt Zhao. Da dürfe man „nicht nur an die Arbeit denken“, sondern müsse auch mit den Kollegen Zeit verbringen.

„In China werden die wichtigsten Entscheidungen beim Abendessen getroffen, nicht am Konferenztisch“, sagt Qui-Ping Zeng. Der Informatiker gründete seine Firma Idencom 1999 in der Schweiz, ist inzwischen aber nach Berlin umgezogen. Mittlerweile ist der Betrieb auf zwölf Mitarbeiter angewachsen und er sucht nach Experten für den Vertrieb und die Entwicklung seiner Produkte zur biometrischen Erkennung von Fingerabdrücken. Zeng glaubt, dass deutsche Mitarbeiter mit chinesischen Chefs manchmal Schwierigkeiten haben: „Chinesische Firmen sind sehr stark geprägt von Einzelpersonen“, sagt er. Vom deutschen Prinzip der Mitbestimmung hielten die Unternehmer aus Fernost nicht viel. „Es gibt in China diese starke Vaterfigur, die findet man auch in Unternehmen“, erklärt Zeng. Er selbst, der schon in Berlin studiert hat, würde die Meinung seiner Mitarbeiter aber sehr schätzen.

Ein anderer Punkt allerdings stört den chinesischen Unternehmer gewaltig an der Mentalität der Deutschen: „Sie sind manchmal ziemlich unflexibel.“ In China sei es selbstverständlich, dass die Leute, wenn in der Firma ein wichtiges Projekt ansteht, abends nicht mehr nach Hause gehen. In Deutschland hingegen müsse man „immer dreimal höflich bitten, bevor jemand am Wochenende kommt“.

Bis die Chinesen in Berlin die 60-Stunden-Woche einführen, wird es wohl noch etwas dauern. Die meisten chinesischen Firmen in der Stadt zählen weniger als zehn Mitarbeiter. Dabei wird es aber nicht bleiben. Berlin Partner macht kräftig Werbung in Fernost und hofft, dass künftig Direktflüge zwischen Shanghai und Schönefeld chinesische Investoren in die deutsche Hauptstadt bringen. Und schon jetzt versichert Roald Koch: „Es sind einige unterwegs.“

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