Arbeitgeber-Auswahl : Gute Stimmung

Weiterbildung, Kinderbetreuung, Betriebsausflug aufs Wasser: Was Firmen für ihre Mitarbeiter tun

Rita Nikolow

Positive Gefühle lassen sich nicht kaufen: Dass ein Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommt, hat nicht nur mit der Höhe des Gehalts zu tun. Sondern mit ganz unterschiedlichen Faktoren, etwa der Möglichkeit, nach der Geburt eines Kindes mit dem Vorgesetzten ein individuelles Teilzeitmodell zu entwickeln, oder mit der Kultur eines Unternehmens.

Die in den Niederlanden gegründete Corporate Research Foundation (CRF) analysiert einmal jährlich die ihrer Ansicht nach wichtigsten Faktoren für Arbeitnehmerfreundlichkeit – mit Hilfe eines Fragebogens: Abgefragt werden darin die Entwicklungsmöglichkeiten, die Sicherheit eines Jobs, die Work-Life-Balance, das Image und die Vergütung, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitern anbietet. 88 Unternehmen haben in der aktuellen Befragung hervorragend abgeschnitten – und wurden von der CRF zu den „Top-Arbeitgebern Deutschland 2008“ gekürt.

Zu den Ausgezeichneten gehört die Gasag Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft, die unter anderem Bewerber aus dem Wirtschaftsingenieurwesen und den Wirtschaftswissenschaften einstellt. Der größte kommunale Gasversorger Westeuropas bietet seinen Mitarbeitern ein umfassendes Gesundheits- und Sportprogramm, zum Beispiel Yogakurse, Massagen – und eine kostenlose Beratung: Egal, ob es um berufliche oder private Sorgen geht. Außerdem bietet die Gasag ihren Mitarbeitern, wo es möglich ist, flexible Arbeitszeiten an: „Und wir investieren in die berufliche Weiterbildung unserer Mitarbeiter“, sagt Uwe Zeterberg, Leiter der Personalabteilung. Die Gasag sei auf Wachstumskurs und deshalb auf der Suche nach Arbeitnehmern, die etwas bewegen und sich weiterentwickeln wollten.

Auch die Deutsche Bahn AG, die Absolventen aller Studienrichtungen einstellt, gehört zu den Top-Arbeitgebern 2008. Beliebt macht den Arbeitgeber unter anderem das große Weiterbildungsangebot: In den jährlich stattfindenden Mitarbeitergesprächen werden mögliche Weiterbildungsmaßnahmen besprochen. Und wer künftig eine Führungsposition übernehmen soll, stolpert nicht unbetreut in die Rolle des Chefs, sondern wird in speziellen Seminaren auf neue Aufgaben vorbereitet.

Damit sich unter den Bahnmitarbeitern ein „Wir-Gefühl“ entwickeln kann, hat die Bahn die Initiative „Wir sind DB“ gestartet. „Im Rahmen diese Projekts befragen wir die Mitarbeiter zum Unternehmen“, sagt Matthias Afting, Leiter des Bereichs Programm und Projekte. Die Initiative rückt auch jene Mitarbeiter in den Focus, die sich normalerweise im Hintergrund darum kümmern, dass auf der Schiene alles reibungslos funktioniert – zum Beispiel die Transportleiter, Trassenkonstrukteure und Wagenmeister.

Sehr beliebt bei den Mitarbeitern ist auch das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis – das umsatzstärkste Pharmaunternehmen Europas. Besonders wichtig ist dem Pharmakonzern die Work-Life-Balance seiner Mitarbeiter. Damit diese Berufliches und Privates gut in Einklang mit einander bringen können, existieren rund 230 verschiedene Teilzeitmodelle. Für Frauen, die nach der Geburt eines Kindes wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, gibt es außerdem spezielle Seminare – damit die Mitarbeiterinnen nach der Pause nicht den Anschluss verpassen.

Den dreijährigen Erziehungsurlaub können die Arbeitnehmer auf Wunsch um ein weiteres Jahr verlängern, und von diesen Erziehungszeiten „Gebrauch machen“, bis zum achten Lebensjahr des Kindes Gebrauch machen. „Viele Eltern nehmen das Jahr in der Einschulungsphase ihrer Söhne und Töchter in Anspruch“, sagt Birgit Huber, die im Unternehmen die Abteilung Recruitment und Marketing leitet.

Auch die Unternehmensberatung Capgemini, ein weiterer Top Arbeitgeber der CRF, legt großen Wert auf die Balance zwischen Arbeit und Privatleben – was auf den ersten Blick so gar nicht der Vorstellungen über diese Branche entspricht.

Günther Illert, oberster Personalvertreter im Unternehmen, stellt bei vielen Bewerbern ein Bedürfnis nach einen Privatleben fest. „Wir raten unseren Mitarbeiter, spätestens am Freitagabend um 18 Uhr zu Hause zu sein“, sagt der dreifache Vater – auch wenn es in anderen Unternehmen zum guten Ton gehöre, am Wochenende im Büro zu sein.

Auch auf die Weiterbildungswünsche der Mitarbeiter – etwa eine Promotion – versuche Capgemini einzugehen. Wichtig sei außerdem, dass unter den Mitarbeitern ein Gemeinschaftsgefühl entstehe. Zu diesem Zweck sind neben regelmäßigen Telefonkonferenzen auch „physische Treffen“ erwünscht – was in dieser Branche nicht selbstverständlich ist, in der die Kollegen ständig im Rahmen neuer Projekte in anderen Konstellationen zusammengewürfelt werden.

Beim letzten physischen Treffen etwa seien hundert Strategieberater auf der Zugspitze zu einem Meeting zusammengekommen, das nächste Treffen ist für die Weihnachtszeit angesetzt – in Salzburg. „Wir versuchen, die Inhalte unserer Arbeit mit Erlebnissen der besonderen Art zu verknüpfen“, sagt Günther Illert. Zu diesen Erlebnissen gehören sicher auch die Weiterbildungskurse in der eigenen Universität, die sich Capgemini in einem alten französischen Schloss eingerichtet hat. In diesen exklusiven Räumlichkeiten werden die internationalen Trainings sowie eine Summer University abgehalten.

Alle Mitarbeiter, die eine berufliche Auszeit nehmen möchten, können bei Capgemini ihr Arbeitspensum für eine festgelegte Zeit um 20 oder 40 Prozent reduzieren – oder sogar eine sechsmonatige berufliche Auszeit nehmen, zum Beispiel, um ein Haus zu Bauen, eine Weltreise zu machen, oder sich intensiv mit dem neugeborenen Nachwuchs zu beschäftigen.

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