ARBEITSMARKT FLUGHAFEN Nicht nur Techniker haben gute Chancen : Auf dem Weg nach oben

Auch wenn der Bau des Airports BBI wieder mal in der Krise steckt: Die Berliner Flughäfen gehören zu den größten Arbeitgebern der Region. Bis 2012 soll die Branche mehr als 18 400 Menschen beschäftigen

Benjamin Haerdle

Zur Zeit ist der Großflughafen Berlin Brandenburg International wieder einmal in den Schlagzeilen. Es geht um die neue Auftragsvergabe für den Terminal. Kriktiker befürchten, dass sich die am 1. November 2011 geplante Eröffnung doch noch weiter hinauszögern könnte. „Das wird aber nicht passieren“, sagt der Sprecher der Berliner Flughafen GmbH, Eberhard Elie. Und auch für den Arbeitsmarkt Flughafen habe die Änderung keine Konsequenzen: Die Aussichten seien nach wie vor rosig, die vor Ort tätigen Unternehmen würden weiter wachsen und Personal einstellen: 15 500 Menschen arbeiten schon heute an den drei Berliner Flughäfen. Bis 2012 sollen es laut einer Studie des Instituts für Verkehrswissenschaft der Universität Köln 18 400 sein.

Auch Walter Gast hat bei den Berliner Flughäfen einen Job gefunden – nachdem 180 Absagen in seinem Briefkasten gelandet waren. Zwei Jahre lang hatte sich der 51-jährige Wahlberliner, der zuletzt als Produktionsleiter eine deutsche Druckereifirma in Polen geführt hatte, auf Jobangebote in ganz Deutschland beworben. Nachdem es immer nur Absagen gehagelt hatte, schulte er im Jahr 2003 zum Luftverkehrskaufmann um und fand anschließend sofort einen neuen Job: Seit Juli 2005 arbeitet Gast in der Abteilung für Verkehrsabrechnung des Flughafens Berlin-Schönefeld. Dort berechnet er nun Landegebühren und Sonderleistungen für Airlines und Privatflieger, die die Berliner Flughäfen anfliegen.

Umschüler Gast war zur rechten Zeit am rechten Ort. Die deutsche Luftfahrt verzeichnet in den letzten Jahren stattliche Zuwächse und dieser Trend gilt auch für die drei Berliner Flughäfen Tegel, Schönefeld und Tempelhof: Auch dank des Billigflieger-Booms kletterten die Passagierzahlen von 13,3 Millionen im Jahr 2003 auf 18,6 Millionen in 2006. 2012 sollen es gar 23,4 Millionen sein. Damit noch nicht genug der deutlich auf Wachstum weisenden Zahlen: 99 Fluggesellschaften fliegen die Hauptstadt an und wer von Berlin abhebt, kann zwischen 160 Flugzielen wählen. Und: Mit jedem neuen Flieger, der in den Himmel steigt, brauchen Fluggesellschaften wie Easy Jet oder German Wings mehr Personal. „Für jede Maschine, die hier Station macht, sind bis zu 60 Beschäftigte für Cockpit, Kabine und Technik notwendig“, zitiert Eberhard Elie einen Richtwert der Luftfahrtbranche.

Für die unterschiedlichsten Branchen und Tätigkeiten wird Personal gebraucht: Die Flughafen-Unternehmen suchen Mitarbeiter, die Flugzeuge warten, in Behörden und Reisebüros arbeiten, Passagiere beim Check-in kontrollieren oder in den zahlreichen Restaurants und Bars die Gäste versorgen. Besonders gefragt ist technisch qualifiziertes Personal mit umfassenden Englischkenntnissen. „Ingenieure, Fluggerätemechaniker und Elektroniker luftfahrttechnischer Systeme stehen ganz oben auf der Liste“, sagt Isabel Wolling, Sprecherin der für den Flughafen Schönefeld zuständigen Agentur für Arbeit in Potsdam. Gesucht werden aber auch Mitarbeiter für Call-Center sowie Spezialisten im Logistik- und Mobilitätsbereich.

Auch wer keine spezifische Ausbildung vorweisen kann, hat gute Chancen auf einen Arbeitsplatz. Die Lufthansa-Beteiligungsgesellschaft Trainico zum Beispiel hat entsprechende Umschulungen und Fortbildungen im technischen und kaufmännischen Bereich im Programm. Auch Walter Gast drückte hier vierzehn Monate lang die Schulbank, machte Praktika an Flughäfen in Bremen, Rostock und Berlin-Schönefeld und hatte nach 24 Monaten schließlich sein Abschlusszeugnis als Luftverkehrskaufmann in der Hand.

Wie Gast nahm auch der 43 Jahre alte Elektriker Olaf Dolkeit einen Umweg in Kauf, um wieder einen Job zu finden. Der Brandenburger ließ sich nach kurzer Arbeitslosigkeit im vorigen Jahr bei Trainico innerhalb von sechs Monaten zum „Aircraft-Specialist“ umschulen. Ein Personaldienstleister vermittelte ihn kurz darauf zur Lufthansa Bombardier Aviation Service in Schönefeld, wo er nun Flugzeuge von Geschäftskunden wartet.

Der schnelle Sprung in den Job ist kein Einzelfall. Erst jüngst kündigte die Fluggesellschaft Air Berlin an, alle erfolgreichen Absolventen eines Anfang Oktober gestarteten Umschulungskurses von Trainico zum Elektroniker luftfahrttechnischer Systeme oder Fluggerätemechaniker direkt übernehmen zu wollen. Wegen der gestiegenen Anforderungen ist auch der Bedarf an Mitarbeitern in der Sicherheitsbranche sehr hoch. 200 neue Mitarbeiter hat zum Beispiel der Sicherheitsdienstleister Securitas seit 2004 jährlich auf den Berliner Flughäfen in Schönefeld und Tegel eingestellt. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

„Wir werden auch weiterhin Beschäftigte in ähnlicher Größenordnung einstellen“, sagt Securitas-Personalleiter Bernd Jansen. Offen sind vor allem Jobs als Luftsicherheitsassistent: „Wer für uns Personen- und Gepäckkontrollen durchführt, bekommt ab dem 1. November gemäß Tarifvertrag 10,70 Euro pro Stunde plus Zuschläge bezahlt“, sagt Jansen. Das ist fast doppelt so viel, wie üblicherweise im Objekt- und Werkschutz gezahlt wird. Voraussetzung für eine Bewerbung zu der rund sechswöchigen Schulung seien eine abgeschlossene Berufsausbildung, Englischkenntnisse sowie Zuverlässigkeitsprüfungen, die Bewerber bestehen müssten. Andere Sicherheitsunternehmen wie etwa der Deutsche Schutz- und Wachdienst haben ebenfalls angekündigt, ab 2008 verstärkt neue Mitarbeiter zu beschäftigen.

Ein deutliches Wachstum erwartet auch Wolfgang Weber, der Sprecher der Lufthansa, die inklusive Tochter- und Beteiligungsgesellschaften mit rund 5000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber an den Flughäfen ist: „Der BBI wird die Jobmaschine der Zukunft“, sagt er.

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