Arbeitsrecht : Muss der Chef das Zeugnis ändern?

Es ist die Eintrittskarte zu einer neuen Stelle. Die Arbeitsrechtlerin Anja Mengel erklärt, unter welchen Umständen der Arbeitgeber das Arbeitszeugnis ändern muss, wenn der Arbeitnehmer damit nicht einverstanden ist.

Anja Mengel

Ich habe als Designer in einer mittelständischen Firma gearbeitet. Nach meinem Ausscheiden hat mein damaliger Arbeitgeber ein Zeugnis nach meinem Entwurf erstellt. Als Grund für die Beendigung wird dort genannt, dass das Arbeitsverhältnis aus betriebsbedingten Gründen beendet wurde. Diese Angabe ist aber falsch, da der Grund des Ausscheidens die Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit war. Jetzt lehnt mein Arbeitgeber ab, das Zeugnis noch einmal zu ändern, da es nach meinem Vorschlag verfasst wurde. Zu Recht?

Das ist schwer zu sagen. Für ein Recht auf Änderung sprechen die allgemeinen Regeln zur Zeugniserteilung. Danach gilt zunächst der Grundsatz der Zeugniswahrheit: Der Arbeitgeber muss also ein inhaltlich wahres Zeugnis erteilen. Da hier die Gründe für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses falsch angegeben sind, bestünde ein Korrekturanspruch. Der Anspruch des Arbeitnehmers auf ein korrektes Zeugnis entfällt auch nicht, wenn das Zeugnis bereits ausgestellt und korrekturbefürftig ist.

Ihr Fall ist allerdings ungewöhnlich, weil Sie die unzutreffende Angabe so zunächst gewünscht hatten. Doch schließt ein Wunschzeugnis auch den Anspruch auf Zeugniskorrektur aus? Dies liegt zwar nah, weil der Arbeitgeber mit ungebührlichem Aufwand belastet würde, wenn ein Arbeitnehmer trotz ausgestelltem Wunschzeugnis (immer) wieder Korrekturen verlangen könnte. Doch auch ein Wunschzeugnis muss – jedenfalls teilweise – korrigierbar sein. Bei offensichtlichen (Schreib-)Fehlern, die der Arbeitnehmer versehentlich in seinem Entwurf vorgesehen hat, muss er eine nachträgliche Korrektur verlangen dürfen.

Er kann nicht gezwungen werden, sich künftig dauerhaft mit einem fehlerhaften Zeugnis zu bewerben. Dies gilt umso mehr, weil die Korrektur eines Fehlers in einem Zeugnis keinen besonderen Aufwand erfordert und der Arbeitgeber daher nicht schützenswert ist.

Die Korrektur des Satzes zum Grund des Ausscheidens ist überdies besonders zu sehen: Der Arbeitgeber darf Grund und Art der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht gegen den Willen des Arbeitnehmers mitteilen. Umgekehrt muss der Arbeitgeber aber die wahren Angaben machen, wenn der Arbeitnehmer einen Hinweis zum Ausscheiden wünscht.

Dies bedeutet insgesamt, dass der Arbeitgeber den falschen Satz korrigieren muss, da der Arbeitgeber kein schutzwürdiges Interesse an der Aufrechterhaltung falscher Aussagen im Zeugnis hat. Erst recht kann der Arbeitnehmer eine Korrektur zum Ausscheiden verlangen, weil gegen seinen Willen dazu auch gar kein Hinweis, auch kein wahrer, erfolgen darf.

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