Arbeitswelt : Kann ich helfen?

Seien Sie nett. Das entspannt die Stimmung – und erleichtert Ihnen und anderen den Alltag

Elisabeth Binder

Top-Manager haben in den letzten Jahren zunehmend Image-Schäden erlitten, weil sie sich schlecht benehmen. Gier und überzogene Ellbogenmentalität werden immer kritischer betrachtet. Der Fisch stinkt zwar vom Kopfe her, aber Revolutionen können auch von unten kommen. Im Folgenden ein paar Anregungen, wie man sich bei den Kollegen beliebt und die Arbeitswelt lebenswerter machen kann.

1. Achten Sie auf ein ausgewogenes Nähe-Distanz-Verhältnis . Wie viel Privates am Arbeitsplatz angemessen ist, muss man von Fall zu Fall entscheiden. Man sollte die Kollegen einerseits nicht mit Familien-Angelegenheiten überschütten und sich auch bei privaten Problemen nicht ständig im Büro ausheulen. Kleine Anekdoten von zu Hause oder aus dem Urlaub befördern freilich das menschliche Miteinander und machen Sie unter Umständen sympathischer. Kollegen, mit denen man gern befreundet wäre, kann man versuchsweise mal zum Essen oder auf ein Glas Wein zu sich nach Hause einladen.

2. Beobachten Sie die Gepflogenheiten am Arbeitsplatz und bringen sie sich dann ein. In dem einen Unternehmen ist es üblich, zum Geburtstag Sekt auszugeben, in dem anderen gibt es an bestimmten Tagen selbstgebackenen Kuchen. Sie wollen weder über- noch untertreiben, also beobachten sie, was Sache ist und fragen Sie im Zweifelsfall einen Kollegen, der Ihnen sympathisch ist, wie Sie sich am besten selber einbringen.

3. Seien Sie hilfsbereit. Egal, ob Sie mehr von Computern verstehen als andere, ein besonderes technisches Geschick haben oder über seltene Sprachkenntnisse verfügen, geizen Sie nicht mit Ihren Fähigkeiten. Bieten Sie Hilfe an, wenn Sie das Gefühl haben, dass sie gebraucht werden könnte. Hacken Sie nicht auf Schwächen anderer herum, sondern bieten Sie, falls Sie dazu in der Lage sind, lieber diskret Ihre Unterstützung an.

4. Seien Sie offen und nicht nachtragend. Zementieren Sie möglichst keine Antipathien gegen Kollegen, mit denen Sie mal aneinander geraten sind. Bemühen Sie sich, gerade denen freundlich zu begegnen und versetzen Sie sich in die Lage des anderen. Sie selber sind wahrscheinlich auch nicht immer völlig pflegeleicht.

5. Kultivieren Sie die Kunst des Zuhörens. Je höher in der Hierarchie Sie stehen, desto wichtiger ist es, diese Kunst zu pflegen. Wer glaubt, alles selbst am besten zu wissen und ohne die Kompetenz seiner Mitarbeiter auskommen zu können, stößt Leute unnötig vor den Kopf und gefährdet sich selbst, indem er sich in Gefahr begibt, vermeidbare Fehler zu machen.

6. Behandeln Sie alle mit der gleichen ausgesuchten Höflichkeit. Das gilt für den Lehrling wie für den Chef. Schließlich kann der Lehrling irgendwann auch mal Chef werden. Und der Chef freut sich vielleicht gerade in der einsamen Höhenluft, die ihn umgibt, über ein freundliches Lächeln, das nicht geschleimt gemeint ist. Auch mal Kaffee zu kochen oder die Spülmaschine anzuwerfen, selbst wenn das eigentlich der Job der Sekretärin ist, kommt unter Umständen gut an. Eine kleine Pause mit sachfremder Arbeit gefüllt, kann ja auch ganz kreativ sein.

7. Achten Sie auf ein gutes und gepflegtes Erscheinungsbild. Das klingt selbstverständlich, ist es aber leider nicht. Wer mit anderen das Büro teilt, sollte auf einen guten Körpergeruch achten und Mundgeruch vermeiden. Auch in der Kleidung sollte man sich seiner Umgebung anpassen. Das bedeutet, dass man in einer Bank nicht zu lässig herumläuft und in einem jungen IT-Unternehmen nicht zu steif. Durch Kleidung und Auftreten kann man Respekt vor dem Stil und der Leistung des Unternehmens bekunden, und das sollte man auch tun. Sorgfalt bei der Auswahl des Outfits ist nicht spießig, sondern professionell.

8. Seien Sie ehrlich und denken Sie nicht nur strategisch. Auf Dauer bringt es nichts, wenn Sie Kollegen ständig Komplimente machen, die Sie gar nicht so meinen. Kritik muss aber sachlich formuliert werden, möglichst mit einer positiven Wortwahl und sollte immer unter vier Augen stattfinden.

9. Lästern Sie nicht (oder möglichst wenig). Mit den Kollegen über Abwesende herzuziehen, ist eine verbreitete Verlockung. Kurzfristig ist sie sogar mit Erfolg verbunden, weil man sich dazugehörig fühlt und das Gruppenkuscheln gut tut. Aber mittelfristig fühlt man sich unter Umständen schlecht bei dem Gedanken, die Abwesenden könnten erfahren, worüber da gelästert wurde. Die Gefahr ist groß, dass man hässliche Formulierungen irgendwann bereut. Dann kann man sie leider nicht wieder zurückholen.

10. Tragen Sie mit kleinen Gesten zu einem guten Klima bei. Es ist immer gut, sich an Geburtstage zu erinnern. Vielen Menschen bedeutet das etwas. Noch wichtiger ist es, Missgunst und Neid zu bekämpfen und solche Gefühle selbst nicht zu kultivieren. Nichts ist für den Unternehmenserfolg so wichtig wie ein gutes Betriebsklima. Das können und sollen Chefs befördern, aber sie brauchen Unterstützung von allen. Auch Ellbogenmentalität und enges Konkurrenzdenken bringen allenfalls kurzfristige schale Erfolge, schaden auf Dauer aber dem Erfolg des ganzen Unternehmens. Halten Sie Ihre persönliche Eitelkeit unter Kontrolle, seien Sie nicht ehrpusslig und maßlos in Ihren Wünschen und Forderungen. Der Imageverlust, den deutsche Unternehmen gerade erleiden, liegt auch daran, dass ein Minimum an Altruismus zu selten gefördert und eingefordert wird in den Top-Etagen. Das wird sich womöglich wieder ändern.

11. Nehmen Sie nicht zu viel übel. Es kann immer mal passieren, dass zu Ihren Lasten etwas schief geht. Man ist nur allzu versucht, böse Absicht zu unterstellen, sauer zu sein und auf Rache zu sinnen. Das setzt einen Teufelskreis in Gang, unter dem am Ende alle leiden. Besser, man versetzt sich in die Kollegen hinein und fragt sich, warum sie da versagt haben. Man soll sich natürlich auch nicht alles gefallen lassen. Wenn jemand wirklich zu eigenen Lasten einen blöden Fehler gemacht hat oder man mitbekommt, dass die Kollegen vor Kunden über einen gelästert haben, dann soll man sie unter vier Augen zur Rede stellen und keinen Zweifel daran lassen, dass man sich ein solches Verhalten im Wiederholungsfall nicht gefallen lässt. Und dann die Geschichte erstmal vergessen, damit sie nicht das tägliche Miteinander belastet. Auch wenn das nicht leicht ist.

12. Seien Sie engagiert. Wenn man merkt, dass eine bestimmte Aufgabe keinen Spaß mehr macht und man deshalb vielleicht sogar in den Leistungen nachlässt, sollte man sich unbedingt lieber etwas Neues suchen, als sich auf die faule Haut zu legen. Das vermeidet nicht nur Antipathien bei den Kollegen. Es bringt einem selber auch mehr Erfüllung.

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