Karriere : Auf den Hund gekommen

Ob als Friseur für Pudel, Zoofachhändler oder Bestatter: Die Tierbranche ist offen für Quereinsteiger

Rita Nikolow

Hunde mit viel Fell haben es Evelyn Reed schon früh angetan. „Die sind besonders pflegeintensiv“, sagt die gelernte Kauffrau. Und irgendwann wollte sie dann mehr wissen darüber, wie man mit dem Fell der Tiere umgehen muss. Angeeignet hat sie sich das Wissen bei der Züchterin ihres Königspudels. Von ihr lernte sie, die Tiere für so genannte Hundeshows zu frisieren. Dort gewann sie Auszeichnungen, verschönerte dann auch Hunde aus dem Bekanntenkreis. Und wurde immer besser.

Vor zwölf Jahren begann sie, in einem Hundesalon zu arbeiten. Durch Kurse und Fachliteratur bildete sie sich weiter – und eröffnete dann in Charlottenburg ihren eigenen Salon „Snobby Dogs“.

Wer sich für einen Tierberuf weiterbilden möchte, muss viel Eigeninitiative zeigen und sich seinen Lehrplan häufig aus verschiedenen Kursen selbst zusammensetzen. Denn für die meisten dieser Berufe gibt es keinen klassischen Einstiegsweg. Neben Kenntnissen in Buchführung und rechtlichen Fragen rund um die Existenzgründung muss ein selbstständiger Hundefriseur vor allem eines können: Tiere scheren. Evelyn Reed gibt darin zwei- bis vierwöchige Kurse in ihrem Salon, die zwischen 800 und 1500 Euro kosten.

Auch wenn es keinen staatlich anerkannten Abschluss als Hundefriseur gibt: Die Schüler von Evelyn Reed können eine Menge lernen. Sie versorgen täglich zwei Hunde, waschen die Tiere, föhnen und schneiden sie – unter den kritischen Augen der Chefin. Die auch Fehler ihrer Schüler wieder ausbügelt, damit kein Tier den Salon mit einem unschönen Schnitt verlässt. Ausgebildeter Friseur müsse man für den Job nicht sein. Schaden kann es aber auch nicht. „Am nächsten Montag bekomme ich eine Schülerin, die bislang ausschließlich Menschen frisiert hat“, sagt Reeds.

Neben einem „Hundefeeling“ sollten die Interessenten vor allem keine Probleme mit langem Stehen haben. Denn bis ein stattlicher Pudel fertig ist mit seiner Behandlung, vergehen bis zu vier Stunden. Und bis aus dem Hobby ein Beruf wird, dauert es mehrere Jahre. Neben Praxiserfahrung brauchen Interessenten auch Kenntnisse über die Pflege der verschiedenen Rassen.

Für einen Kurs in Evelyn Reeds Salon haben Bewerber aus Brandenburg und allen anderen Bundesländern eine Chance. Nur Berliner nimmt die Hundefriseurin nicht. Eine gewisse räumliche Distanz sei notwendig, damit ihre Schüler nicht zwei Straßen weiter einen eigenen Salon eröffnen.

Neben dem Hundefriseur gibt es auch andere Jobs mit Tieren, in denen man als Quereinsteiger eine Chance hat. Wer sich zum Beispiel als Zoofachhändler selbstständig machen will, muss lediglich einen Antrag bei der Veterinärbehörde stellen. Zusätzlich muss er jedoch langjährige Erfahrungen im Umgang mit allen Haustieren nachweisen, die ins Sortiment aufgenommen werden.

Nach der Prüfung der Unterlagen lädt das Amt häufig zu einem Fachkundegespräch ein, in dem die Sachkenntnisse des Bewerbers geprüft werden. Zur Vorbereitung bietet der Fachverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands einen Ausbildungsordner an, der grundlegende biologische Kenntnisse vermittelt, aber auch rechtliches Wissen, das für den Zoofachhandel von Bedeutung ist. Die drei Bände kosten 180 Euro.

Zu den wenigen zertifizierten Lehrgängen im Bereich der Tierberufe gehört die Ausbildung zum Hundeerzieher und Verhaltenstrainer, den die IHK Potsdam seit 2007 in Kooperation mit dem Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater Niedernhausen (BHV). In 312 Stunden wird den Teilnehmern vermittelt, wie artgerechte Tierhaltung funktioniert. Hinzu kommen Kenntnisse in Unternehmensführung und Management. Die Lehrgänge starten im März und April, sie kosten rund 3500 Euro.

Im kommenden Mai startet die IHK Potsdam außerdem eine Aufstiegsfortbildung zum Hundefachwirt – ebenfalls in Kooperation mit dem BHV. In 520 Stunden können sich Interessenten zum Hundespezialisten im Bereich der Freizeitwirtschaft weiterbilden. Für den Abschluss brauchen sie eine Ausbildung in einem anerkannten Lehrberuf und – je nach Vorbildung – mindestens zwei bis vier Jahre Berufserfahrung. Der Kurs kostet rund 4600 Euro. Nach Ansicht von Wolfgang Spieß, Leiter des Fachbereichs Aus- und Weiterbildung der IHK Potsdam, lohnt sich der Lehrgang für die Teilnehmer. Denn die Hundebranche boomt: 2007 haben die Deutschen fast 800 Millionen Euro für ihre Vierbeiner ausgegeben.

Und nicht nur lebende Tiere müssen umsorgt werden. Ines Maria Baumert hat sich nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau auf eigene Faust zum Tierbestatter weitergebildet und leitet heute das Kleintierkrematorium „Tierbestattung im Rosengarten“ in Friedrichshain. Ein Beruf, der viel Kraft kostet, weil man ständig mit der Trauer konfrontiert ist. Auch für ihren Job gilt: Wer mit Tieren arbeitet, braucht eine „Affinität zum Helfen“, so Baumert.

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