Karriere : Auf Dienstreise

Bildungsurlaub: Wie man reisen und lernen miteinander verbindet

Günter Bartsch

Wer sich auf Reisen bilden will, muss dafür nicht zwangsläufig seine Freizeit opfern. Englisch lernen in New York, Französisch an der Côte d''Azur, Griechisch auf Rhodos oder Russisch in Sankt Petersburg – für eine Vielzahl von Sprachkursen und Bildungsreisen können Arbeitnehmer bezahlten Bildungsurlaub nehmen.

In den meisten Bundesländern ist dies seit den 70er Jahren gesetzlich geregelt. In Berlin haben Arbeitnehmer Anspruch auf zehn Arbeitstage innerhalb von zwei aufeinander folgenden Jahren – genutzt wird diese Möglichkeit allerdings kaum: Nach einer Schätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes beantragen nur etwas mehr als zwei Prozent der deutschen Arbeitnehmer Bildungsurlaub. Nach wie vor mangelt es an Bekanntheit und Akzeptanz. Dass es hier ein paar zusätzliche Ferientage zu erhaschen gibt, ist allerdings ein Irrglaube: In Sprachkursen muss zwischen 20 und 35 Wochenstunden gebüffelt werden – plus Hausaufgaben. Doch selbst wenn kaum Zeit zum Faulenzen bleibt, kann das Lernen im Ausland Spaß machen.

ANGEBOTE FINDEN

Damit eine Reise im Rahmen des Bildungsurlaubs stattfinden kann, muss der Arbeitnehmer eine für den Bildungsurlaub anerkannte Veranstaltung auswählen. Eine fast 150 Seiten lange Liste bereits anerkannter Kurse und Anbieter ist auf der Webseite der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales zu finden (www.berlin.de/bildungsurlaub – in der linken Spalte).

Von Arabisch bis Türkisch werden rund 20 Sprachen aufgelistet, die man sowohl in Deutschland, als auch im Ausland bei einer Vielzahl von Sprachschulen lernen kann. Neben regulären Kursen gibt es auch spezielle Veranstaltungen für einzelne Berufsgruppen. An der in der Liste geführten Ecole France Langue in Paris zum Beispiel gibt es ein Seminar in „Französisch für Tourismus und Hotellerie“. Schulungen werden ab zirka 200 Euro pro Woche angeboten.

Eine Vielzahl an spezialisierten Sprachkursen gibt es auch in den angelsächsischen Ländern. Am Oxford International Study Centre werden Sommerprogramme mit den Schwerpunkten Kommunikation und Geschäftsenglisch angeboten. Zudem gibt es ein Programm für Akademiker, das zum Beispiel mit einem international anerkannten Toefl-Zertifikat abgeschlossen werden kann. Die Kurse werden ab 200 Pfund pro Woche angeboten. Auf Wunsch werden Gastfamilien für die Unterkunft vermittelt. Auch deutsche Veranstalter wie Kolumbus Sprachreisen oder LAL haben Kurse für Berufstätige im Programm.

Eine weitere Möglichkeit, seinen Arbeitsplatz für einige Wochen ins Ausland zu verlegen, bieten politische Bildungsfahrten, wie sie die Firma Statt-Reisen Berlin etwa anbietet. Demnächst steht eine Reise zu Geschichte und Gegenwart der baltischen Staaten an, auch Fahrten zu den jüngsten EU-Mitgliedern Rumänien und Bulgarien sowie nach Israel werden angeboten. Umsonst ist gibt es den Urlaub nicht: So kostet zum Beispiel die Bildungsreise nach Bukarest und Sofia ab 1150 Euro. Ein ähnliches Programm bietet der Verein Frauen Unterwegs, mit dem Arbeitnehmerinnen unter anderem nach Istanbul, Venedig und Lissabon reisen können.

FINANZIERUNG KLÄREN

Es handelt sich beim Bildungsurlaub zwar um eine bezahlte Freistellung (zusätzlich zum normalen Urlaub). Für Reisekosten und Kursgebühren muss der Arbeitnehmer jedoch selbst aufkommen. Dafür kann er Art und Ziel des Bildungsurlaubs selbst bestimmen – der Arbeitgeber hat bei der Auswahl des Kurses nichts zu entscheiden. Der Kurs muss also nicht zwingend etwas mit dem Beruf zu tun haben.

Allerdings kommt es durchaus infrage, dass ein Arbeitgeber sich an einer Weiterbildungsmaßnahme finanziell beteiligt – dann kann er freilich auch bei der Wahl des Angebots mitreden. Wer an einer Sprachreise überwiegend aus beruflichen Gründen teilnimmt, hat zudem die Möglichkeit, Kursgebühren, Fahrt- und Unterkunftskosten bei der Steuererklärung geltend zu machen. Außerdem kann eine Verpflegungspauschale angesetzt werden, die je nach Land unterschiedlich hoch ist (siehe Übersicht unter www.bundesfinanzministerium.de, Stichwort „Auslandstagegelder“).

Die Teilfinanzierung der Weiterbildung ist auch durch die 2008 eingeführten Bildungsprämiengutscheine möglich. Hier können Erwerbstätige, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen derzeit 20 000 Euro (oder 40 000 Euro bei gemeinsam Veranlagten) nicht übersteigt, bis zu 154 Euro Förderung erhalten. Mindestens die gleiche Summe müssen sie selbst für die Weiterbildung aufbringen (www.bildungspraemie.info).

MIT DEM CHEF SPRECHEN

Der Arbeitgeber sollte so früh wie möglich über die Bildungsurlaubspläne informiert werden. In der Regel muss Inanspruchnahme und Zeitpunkt des Bildungsurlaubs sechs Wochen vor Beginn der Freistellung schriftlich oder mündlich mitgeteilt werden. Der Arbeitgeber kann verlangen, die Anmeldung zur Veranstaltung und den Anerkennungsbescheid der Senatsverwaltung zu sehen.

Der Arbeitgeber kann Bildungsurlaub in einem bestimmten Zeitraum ablehnen, wenn „zwingende betriebliche Belange oder Urlaubsansprüche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen“ – so steht es im Berliner Bildungsurlaubsgesetz. Ein Grund könnte zum Beispiel „unaufschiebbarer besonderer Arbeitsanfall“ sein, so die Senatsverwaltung. Lehnt der Arbeitgeber einen Bildungsurlaub aufgrund solcher Gründe ab, muss er eine Freistellung zu einem anderen Zeitpunkt innerhalb eines Jahres nach Antragstellung bevorzugt gewähren.

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