Ausbildung im Luxushotel : Vom Feinsten

Die Gäste reisen schon mal per Hubschrauber an. Ihre Wünsche werden so weit wie möglich erfüllt. Dieser besondere Service prägt die Ausbildung in einem Fünf-Sterne-Hotel. Was man in Heiligendamm alles werden kann.

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HOTELFACHFRAU

Schon als sie noch in England an ihrem Bachelor in Business Management arbeitete, hatte Nicole Schmidt konkrete Vorstellungen von ihrem Traumberuf. „Ich wollte was mit Menschen machen, meine Sprachkenntnisse nutzen und jederzeit im Ausland arbeiten können“, erzählt die 24-Jährige. Sie spricht Englisch, Spanisch und Französisch. Außerdem sollte es ein Job mit Zukunft sein, einer mit dem sie nicht so leicht arbeitslos wird.

Sie hat sich dann für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Grand Hotel Heiligendamm entschieden – und ihre Wahl bis heute nicht bereut. „Urlaub macht man immer“, sagt sie. Der Job macht ihr Spaß. Und über ihre berufliche Zukunft muss sie sich keine Sorgen machen.

Nicole sammelt Gläser ein in einem Tagungsraum des Luxushotels. Dabei schaut sie auf das Treiben vor dem Fenster. Auf der Wiese vor der Burg Hohenzollern landet gerade ein Hubschrauber und bringt neue Gäste aus Dänemark.

Neben ihr steht Karoline Nicolai. Auch sie ist in der Ausbildung zur Hotelfachfrau. In dem 5-Sterne-Komplex an der Ostsee haben die beiden angehenden Hotelfachfrauen einen vielfältigen Einblick in das Hotel-Business erhalten. Sie wurden für den Service in der Nelson Bar eingesetzt, am Empfang, im Housekeeping, im Bankettverkauf, im italienischen Restaurant Medini's, im Roomservice und sogar im Controlling. Jede Abteilung habe etwas Reizvolles gehabt, sagt Karoline. Anstrengend fand sie den Einsatz beim Housekeeping. „Wenn man neun bis zehn Zimmer geputzt hat, weiß man schon, was man getan hat.“

Am 1. September ist die Ausbildung der beiden beendet. Karoline Nicolai hat einen Vertrag mit der Selektion Deutscher Luxushotels. Sie wird ein Jahr lang im Drei-Monats-Rhythmus in unterschiedlichen Grandhotels des Verbandes arbeiten. Nicole Schmidt wechselt zum Kreuzfahrt-Unternehmen Aida.

KOCH-AZUBI

Helge Balow wollte seine Ausbildung unbedingt in einem großen Haus machen, um möglichst viel über exzellente Küche zu lernen. Er hat schon früh seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt. Paul Bocuse ist sein Vorbild, und in seiner Freizeit verschlingt er kulinarische Fachliteratur, erzählt der 23-Jährige. Sein Ziel ist es, ein eigenes Restaurant aufzumachen, gerne mit Michelin-Stern.

In der Küche in Heiligendamm durchläuft er alle Abteilungen, ist für zwei bis drei Monate für Beilagen zuständig, dann für Fleisch, Fisch, Saucen, Desserts oder das Frühstück. Da fängt man schon um 5 Uhr morgens an, sagt er.

Helge Balow mag den Teamgeist, dass in der Küche alle Mitarbeiter alles machen, dass er Seite an Seite sogar mit den Köchen des mit einem Stern gekrönten Gourmetrestaurants arbeiten kann – und vor allem, dass in allen Restaurants des Grandhotels Convenience-Produkte tabu sind. Restaurants, in denen das Essen aus der Tüte kommt, mag er gar nicht. Da gäbe es für einen wie ihn, der schon an der Farbe des Eigelbs erkennt, unter welchen Umständen ein Huhn lebt, nichts zu lernen. Dass er mit Produkten des zum Hotelkomplex gehörigen Biobauernhofs arbeiten kann, findet er richtig gut.

Sein Lebenselixier ist der Stress, sagt er. Deshalb macht es ihm nichts aus, wenn es abends, wenn das Restaurant voll ist, unter den Kollegen mal lauter wird: „Das gehört dazu, das darf man nicht persönlich nehmen“, sagt er. Auch, dass er als Koch oft an Feiertagen arbeiten muss, stört ihn nicht weiter. Er hat unter den Azubis viele Freunde gefunden, die ja alle wissen, dass man nicht immer am Wochenende feiern kann: „Man muss flexibel sein und lieben, was man tut.“

SPORT- UND FITNESSKAUFFRAU

Auch Susanne Helwing liebt, was sie tut. Die 21-Jährige ist im ersten Lehrjahr und gehört in Heiligendamm zur ersten Generation der Auszubildenden zur Sport- und Fitnesskauffrau. Was man da macht? Man kümmert sich um Sport, Wellness und Anwendungen, berät Gäste, organisiert die Therapeuten, die in Schichten arbeiten, berät aber auch über bestimmte Produkte, zum Beispiel die Platincreme, die zwar furchtbar teuer ist, aber Falten auffüllt wie Botox, nur eben sanfter, wie sie engagiert erzählt.

Sie ist noch am Anfang ihrer Lehrzeit. Verschiedene Zertifikate muss sie noch machen, die B-Lizenz etwa, die es ihr ermöglicht, als Personal Trainer tätig zu werden, oder den Schein für die Aqua-Gymnastik-Kurse. Um die Hotelangebote Golfen und Reiten muss sie sich noch nicht kümmern, aber sie ist sicher: „Mir steht alles offen.“

Im Spa ist im Winter die Hauptsaison, aber jüngst hat das Haus auch Schönwetter-Angebote entwickelt. Kurzmassagen am Strand zum Beispiel oder einen Eincremeservice. „Wir erhalten auch selber Massagen, um den Service besser verkaufen zu können“, sagt Susanne.

ARBEITEN IM LUXUSHOTEL

Popstars, Schauspieler, Schriftsteller und Politiker: Wer in einem Luxushotel arbeitet, hat immer wieder auch mit Menschen zu tun, die er bis dahin nur aus den Medien kannte. „Gerade für die Azubis ist das etwas ganz Besonderes, wenn sie einen Prominenten bedienen und sie ihren Freunden zuhause davon erzählen können“, sagt die Personalleiterin Anja Wilcken-Krüger. Grundsätzlich habe man es mit sehr anspruchsvollen Gästen zu tun. Entsprechend hoch ist der Anspruch. Egal in welcher Abteilung ein Azubi tätig ist. „Wir versuchen möglichst alle Wünsche der Gäste umzusetzen“, sagt Anja Wilcken-Krüger. Ein „Nein“ als Antwort sei die absolute Ausnahme.

Das gilt auch für die Azubis. „Sollte ein Anliegen tatsächlich nicht realisierbar sein, bieten wir immer Alternativen an“, sagt Nicole Schmidt. Den vier Auszubildenden macht es Spaß, dass sie von Anfang an selbstständig und auch kreativ arbeiten. Karoline etwa hat ein Bankett verkauft an ein Paar, das demnächst heiraten wird. Da gibt es viele Fragen zu klären, nicht nur die Zahl der Personen, auch die Art der Hochzeit, der Ablauf, die Art des Empfangs, die Frage der Kapelle und natürlich das Menü.

Für ihre Eltern haben die Azubis einmal ein Wochenende gestaltet, um zu zeigen, was sie in ihrem Alltag alles machen.

Im Hotel zu arbeiten kann allerdings auch sehr stressig sein: Wenn einem fast der Arm abfällt, man zur Stoßzeit im Restaurant das Tablett fallen lässt und in die Küche zurück muss, um das Essen ein zweites Mal anzufordern, erzählen die Hotelfachfrau-Azubis. „Da sagt der Küchenleiter schon mal etwas lauter, was er davon hält“, weiß Helge und grinst.

Es gibt aber eben auch die schönen Erlebnisse, für die sich der Einsatz lohnt. Und das ist nicht nur das anerkennende Trinkgeld, sondern auch mal der Satz: „Danke, das war ein toller Abend.“

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