Ausbildung : Lehrlinge gesucht

Vor kurzem haben die Betriebe mit der Ausbildung begonnen. Viele Stellen sind noch immer unbesetzt.

Christian Schnohr

Ob Autos reparieren, Gemüse verkaufen oder Bankkunden betreuen: In den meisten Betrieben haben die Azubis vor kurzem ihre Arbeit begonnen. Micha Köhler ist noch nicht so weit. Der 17-jährige Berliner hat trotz eines guten Hauptschulabschlusses keine Lehrstelle als KFZ-Mechaniker gefunden. „Jetzt gucke ich, ob ich als Elektriker etwas finde, vielleicht kann ich anschließend noch eine Zweitausbildung draufsatteln“, sagt er.

Dabei sind die Chancen für Schulabgänger mit guten Zeugnisnoten den Arbeitsagenturen und Branchenverbänden zuvolge hervorragend: Bis Ende August haben der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Bundesverband Freier Berufe bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein Plus von drei Prozent oder rund 11 000 Lehrstellen verzeichnet. Bis heute suchen viele Betriebe noch immer nach Lehrlingen.

„Unsere letzten Zahlen von Mitte August zeigen, dass es in Berlin rund 2500 und in Brandenburg 2800 freie Lehrstellen gibt“, sagt Olaf Möller von der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. „Der Arbeitsmarkt in der Region hat sich im letzten Jahr gerade im Dienstleistungssektor stark verändert, dort gibt es viele neue Angebote.“ Beispielsweise stehen noch Ausbildungsplätze im technischen Bereich zur Verfügung, etwa als Elektriker oder IT-Kaufmann. Aber auch Bürokaufleute sowie Azubis im Banken- und Versicherungswesen würden gesucht. Das Handwerk beklagt ebenfalls einen Mangel an Lehrlingen: Wer sich für eine Ausbildungsstelle beim Fleischer oder Bäcker interessiert, kann in Berlin und Brandenburg fündig werden.

„Zwar waren bei uns im August auch über 14 000 Suchende registriert“, sagt Möller. „Doch die Zahl dürfte sich seither stark verringert haben.“ Besonders im Osten haben immer mehr Betriebe Probleme, geeignete Bewerber für ihre Lehrstellen zu finden. „Wir schätzen, dass es Ende September 2008 erstmals wieder mehr Lehrstellen als Bewerber geben wird“, sagt DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Er bittet Unternehmen daher dringend, die Suche nicht vorzeitig aufzugeben, sondern offene Stellen zu melden. „Die Arbeitsagenturen haben sich in den vergangenen Jahren besser aufgestellt“, sagt Braun.

Wer einen Ausbildungsplatz sucht und bei der Arbeitsagentur gemeldet ist, erhält in den kommenden Wochen Post: „Noch bis Ende September läuft das aktuelle Berufsberatungsjahr, danach beginnt die Nachvermittlung“, sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Wer keine Zeit verlieren möchte, sollte sich direkt an seinen Arbeitsvermittler wenden. „Außerdem ist es sinnvoll, Betriebe anzuschreiben und sich dort persönlich vorzustellen“, meint Olaf Möller von der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg.

Neben den staatlichen Stellen leisten auch die örtlichen Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz: Auf der jeweiligen Internetseite findet sich eine Lehrstellenbörse, auf dem man nach Firmen oder bestimmten Berufen suchen kann. Auch Praktika sind dort zu finden. Zudem bietet die IHK das Programm „Passgenaue Vermittlung Auszubildender“ an. Bewerber und Betriebe werden individuell von IHK-Mitarbeitern vermittelt.

Bei der Suche nach einer Lehrstelle sei es wichtig, auch alternative Angebote zu überdenken, rät Olaf Möller. „Wenn ich in meinem Traumberuf nichts finde, sollte ich einen Plan B in der Tasche haben.“ Nach einer ersten Ausbildung stünde einem schließlich der Arbeitsmarkt weiter offen. Und heutzutage arbeitet kaum jemand sein ganzes Berufsleben über in einem Job.

Weitere Informationen im Internet:

www.berlin.ihk.de

www.handwerkskammer.de

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